Europäische Unternehmen: Rezession mit historischem Ausmaß wird erwartet

 

(GFD 10/2020) European Payment Report zeigt deutliche Auswirkungen der Covid-19 Pandemie / Viele Unternehmen kämpfen ums Überleben / Pünktliche Zahlungen entscheidend

 

Intrum stellt den European Payment Report 2020 (EPR) der Öffentlichkeit vor, der seit 1998 jährlich erhoben wird. Die Studien-Ergebnisse zeigen, dass die Geschäftsentwicklung in vielen Sektoren zum Erliegen gekommen ist. Die Wirtschaftsprognose der Europäischen Kommission vom Sommer 2020 geht davon aus, dass die EU-Wirtschaft im Jahr 2020 um 8,3 Prozent schrumpfen wird. Die europäischen Volkswirtschaften sind durch die negativen finanziellen Folgen getroffen, die hauptsächlich von der Covid-19-Pandemie verursacht und verstärkt worden sind.

 

Fast sechs von zehn befragten Unternehmensvertretern geben insgesamt an, dass eine europaweite Rezession die größte Herausforderung darstellt, wenn es darum geht, dass die Kunden in den nächsten zwölf Monaten pünktlich zahlen. In Deutschland sind sogar 68 Prozent der Befragten dieser Meinung. Platz zwei und eine Folge davon seien finanzielle Schwierigkeiten der Kunden (Deutschland 31, EU-Schnitt 38 Prozent) und damit einhergehende verspätete Zahlungen.

 

"Die Unternehmen bereiten jetzt die notwendigen Schritte vor, um sich auf eine durch die Pandemie verursachte Rezession vorzubereiten. Geringere Einnahmen haben den Cashflow der Unternehmen verringert und dadurch den Druck auf die eigenen Finanzen und ausgehende Zahlungen erhöht. Die Auswirkungen auf die europäische Zahlungssituation werden weiterhin dramatisch sein", sagt Mikael Ericson, Präsident und CEO von Intrum.

 

Immobilien und Bau sind am stärksten von Zahlungsverzug betroffen

 

Die Rezession wird die industriellen Zweige auf unterschiedliche Weise treffen. Der EPR zeigt deutlich, dass beispielsweise Unternehmen im Immobilien- und Bausektor am stärksten von Zahlungsverzug betroffen sind. 41 Prozent dieser Unternehmen geben an, längere Zahlungsfristen akzeptiert zu haben, um eine Insolvenz zu vermeiden. Der europäische Durchschnitt liegt bei 35 Prozent.

 

Gleichzeitig haben Unternehmen im Gastgewerbe und der Freizeitindustrie europaweit immer noch mit unterschiedlichen pandemiebedingten staatlichen Beschränkungen zu kämpfen. Innerhalb dieser Branchen geben vier von zehn Befragten (42 Prozent) an, dass eine Rezession schwerwiegende Auswirkungen auf ihr Geschäft haben wird - die höchste Zahl der elf von Intrum befragten Branchen.

 

Kosten senken und Einstellungen reduzieren

 

Die Ergebnisse des Reports zeigen darüber hinaus, dass europäische Unternehmen sich vor allem für folgende Maßnahmen entscheiden, um ihr Geschäft in einer Rezession und einem wirtschaftlichen Umbruch zu schützen: 38 Prozent der Befragten planen, die Kosten zu senken, während 35 Prozent bei einer Kreditaufnahme und Investitionen vorsichtiger sind. 29 Prozent geben an, dass sie weniger Personal einstellen wollen, um sich auf eine Rezession vorzubereiten, verglichen mit 18 Prozent im Jahr 2019.

 

Die Zahlungslücke vergrößert sich

 

Mehr als vier von zehn Befragten (43 Prozent) glauben, dass das Risiko in den nächsten zwölf Monaten zunehmen wird, dass es bei Kunden zu Zahlungsverzögerungen oder Zahlungsausfällen kommen könnte. 19 Prozent sagen sogar, dass es erheblich zunehmen wird. Unternehmen stehen aufgrund der geringeren Liquidität zunehmend unter Druck, so dass viele von ihnen nach alternativen Möglichkeiten suchen, um liquide zu bleiben.

 

Fast die Hälfte (46 Prozent) gibt an, dass die zunehmende Lücke zwischen Zahlungsziel und tatsächlicher Zahlung ein echtes Risiko für das nachhaltige Wachstum ihres Geschäfts darstellt. Mehr als die Hälfte (51 Prozent) gibt an, dass verspätete Zahlungen ihr Überleben während der Pandemie gefährdet haben, verglichen mit 35 Prozent der Befragten vor der Krise.

 

"Trotz aller Bemühungen verlängert sich die Zeit zwischen der vereinbarten Zahlungsfrist und der tatsächlichen Zahlungsdauer europaweit. Dies ist ein wachsendes Problem, da es Unternehmen in schwierige finanzielle Positionen bringt. Unbestritten könnte es für europäische Unternehmen länger dauern, sich finanziell zu erholen, als für die europäischen Regierungen", sagt Ericson. Autor: www.intrum.com/epr2020

 

Bezahltrends im Handel 2020: Zwei Drittel der Deutschen haben ihr Bezahlverhalten in diesem Jahr verändert

 

(GFD 10/2020)Das Bezahlverhalten der Deutschen im stationären Handel hat sich in diesem Jahr stark verändert und wird auch nicht mehr zu dem Status vor der Pandemie zurückkehren. Dies hat eine repräsentative Umfrage der GfK im Auftrag von Mastercard ergeben, die nach 2019 nun zum zweiten Mal Einblicke in das Bezahlverhalten der Deutschen im stationären Handel gewährt.[1] Während knapp zwei Drittel der Deutschen (65 Prozent) angaben, bei der Bezahlung in Geschäften weniger Bargeld zu verwenden als ein halbes Jahr zuvor, bestätigten mehr als ein Drittel der Deutschen (35 Prozent), dass sie bei ihrem veränderten Bezahlverhalten bleiben und auch weiterhin vermehrt bargeldlos zahlen werden. Dieser Wandel vollzieht sich über alle Altersgruppen hinweg: 41 Prozent der 18- bis 29-Jährigen und 46 Prozent der über 70-Jährigen wollen auch in Zukunft verstärkt auf Bargeld verzichten.

 

44 Prozent zahlen, wenn möglich, immer kontaktlos

 

Kontaktlose Zahlungen sind der Treiber des Wandels. Denn nicht nur die Anzahl der Deutschen, die kontaktlos zahlen, steigt stark an. Laut der GfK-Umfrage sind dies inzwischen 58 Prozent, neun Prozentpunkte mehr als 2019. Es wird auch deutlich, dass Verbraucher die kontaktlos zahlen, dies sehr regelmäßig tun: Kontaktloses Bezahlen ist zur Gewohnheit geworden. Drei Viertel (75 Prozent) zahlen mindestens einmal in der Woche kontaktlos, fast jeder Fünfte (19 Prozent) mindestens einmal pro Tag. Bei den 30- bis 39-Jährigen sind es sogar 29 Prozent, die täglich kontaktlos zahlen. 76 Prozent zahlten in den vergangenen sechs Monaten öfter als zuvor kontaktlos und bereits fast jeder Zweite (44 Prozent) immer, wenn möglich. Beim kontaktlosen Bezahlen ist die Karte die erste Wahl, 88 Prozent zahlen damit am liebsten. Bereits 12 Prozent setzen beim kontaktlosen Zahlen bevorzugt das Smartphone oder die Smartwatch ein, bei den 18- bis 29-Jährigen ist es bereits mehr als jeder Fünfte (22 Prozent).

 

Schnelligkeit ist Konsumenten wichtiger als Hygiene

 

Hatten die Verbraucher in der Befragung im vergangenen Jahr betont, dass sie gerne kontaktlos zahlen, weil es schnell und einfach funktioniert, kam in den vergangenen Monaten mit der Hygiene ein weiterer wichtiger Faktor für das kontaktlose Zahlen hinzu. Dies belegen die Ergebnisse aus der aktuellen GfK-Umfrage: Schnelligkeit bleibt mit 49 Prozent der wichtigste Grund, warum Deutsche kontaktlos zahlen. Jedoch gaben fast genauso viele Deutsche (47 Prozent) an, dass kontaktlose Zahlungen hygienischer sind als andere Bezahlmöglichkeiten und sie diese deswegen gerne nutzen. 37 Prozent sehen vor allem die Einfachheit als Vorteil.

 

Peter Bakenecker, Division President für Deutschland und die Schweiz bei Mastercard, sagt: "Covid-19 hat zu massiven Veränderungen im Geschäfts- und Verbraucherverhalten geführt. Immer mehr Kunden nutzen digitale Möglichkeiten im Zahlungsverkehr und kontaktloses Zahlen ist mittlerweile zum Standard geworden. Dabei bekommt Mobile Payment einen immer höheren Stellenwert. Denn das Bezahlen mit mobilen Endgeräten ist besonders einfach und hygienisch. Zudem bietet die biometrische Authentifizierung auf dem Smartphone höchste Sicherheit für alle Transaktionen, ohne das Gerät bei der Zahlung aus der Hand zu geben oder eine PIN am Terminal eingeben zu müssen."

 

Mindestlimit für Kartenzahlung kommt bei Kunden nicht gut an

 

Dieser Wandel im Bezahlverhalten hat auch zur Folge, dass inzwischen fast alle Kunden digitale Bezahllösungen in Geschäften erwarten. Neun von zehn Deutschen sind der Meinung, dass die Akzeptanz von Kartenzahlung in Geschäften als Serviceleistung dazugehören sollte. Mehr als jeder Vierte (26 Prozent) hat schon mindestens einmal ein Geschäft verlassen oder nicht betreten, weil nur Barzahlung akzeptiert wurde. Bei den 18- bis 29-Jährigen sind es sogar 42 Prozent. Nicht besser ist es in den Augen der Kunden, wenn Kartenzahlung nur mit Mindestlimit akzeptiert wird: Hier sind es 27 Prozent der Deutschen, die einem Geschäft aus diesem Grund schon mindestens einmal den Rücken gekehrt haben.

 

Peter Bakenecker, Division President für Deutschland und die Schweiz bei Mastercard, sagt: "Mehr und mehr Kunden wollen inzwischen auch kleinere Beträge bargeld- und kontaktlos bezahlen. Von daher sollten auch kleine Händler kontaktlose Kartenzahlungen ohne Mindestlimit anbieten. So ermöglichen sie ihren Kunden Spontaneinkäufe, erhöhen ihren Umsatz und haben zufriedenere Kunden."

 

Jeder Vierte möchte Produkte im Geschäft per App selbst scannen

 

Auch im Jahr 2020 schätzen die Deutschen weiterhin die Vorteile, die der stationäre Handel bietet. 76 Prozent (1 Prozentpunkt weniger als 2019) kaufen dort ein, weil sie die Waren direkt mitnehmen können. 58 Prozent (minus 5 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr) gehen in Geschäfte, weil sie die Dinge ausprobieren und anfassen wollen, die sie kaufen. Service und Beratung (39 Prozent, minus 6 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr) sowie der persönliche Kontakt (35 Prozent, Ergebnis wie in 2019) sind den Befragten ebenfalls wichtig. Immerhin mehr als ein Drittel der Deutschen (34 Prozent, plus 4 Prozentpunkte im Vergleich zu 2019) ist zudem der Meinung, dass die Einkäufe im Laden schneller erledigt seien als online. Kontaktloses Zahlen ist ein Faktor, der den Bezahlprozess an der Kasse beschleunigen und Wartezeiten verringern kann. Das bestätigen vier von zehn Deutschen (39 Prozent), die kontaktloses Zahlen als effizientestes Mittel einschätzen, um eine Wartezeit am Checkout zu vermeiden. 29 Prozent befürworten Self-Checkout als Lösung und immerhin jeder Vierte (26 Prozent) möchte Produkte bereits im Geschäft per App selbst scannen und Kassen damit gänzlich vermeiden.

Autor: www.mastercard.com

 

Studie: Zahlungsverzögerungen größte Sorge von deutschen Finanzchefs

 

(GFD 08/2020) In Deutschland kämpfen 36% der Unternehmen täglich mit Zahlungsverzögerungen vs. 24% im europäischen Durchschnitt 

 

Nichts fürchten deutsche und europäische Finanzchefs (CFOs) so sehr wie verspätete Zahlungen ihrer Kunden. Selbst Cyberrisiken fallen aus Sicht der CFOs hinter den beiden Hauptrisiken zurück, ebenso wie Schwierigkeiten in den Lieferketten oder sogar rückläufige Umsätze und Profitabilität. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Studie "DNA of a CFO" des weltweit führenden Kreditversicherers Euler Hermes, die auf einer repräsentativen Umfrage unter führenden Finanzvertretern von Unternehmen in Deutschland, Frankreich, Italien und Großbritannien basiert  - vor und nach Ausbruch der Covid-19-Pandemie.

 

Rund 50% der Unternehmen mit säumigen Kunden, fast ein Drittel von Pleiten betroffen

 

"Schon vor der Covid-19-Pandemie war jedes zweite der befragten deutschen Unternehmen (51%) von Zahlungsverzögerungen betroffen und beinahe jedes dritte (30%) von der Insolvenz eines Abnehmers", sagt Ron van het Hof, CEO von Euler Hermes in Deutschland, Österreich und der Schweiz. "Das ist eine relativ erschreckende Bilanz und zeigt, welch große Schneeballeffekte Insolvenzen in der gesamten Lieferkette auslösen können. Zahlungsverzögerungen bringen Finanzchefs somit am häufigsten um ihren ruhigen Schlaf."

 

Nach dem Ausbruch der Covid-19-Pandemie waren in Deutschland mit rund 52% in etwa genauso viele Unternehmen von Zahlungsverzögerungen betroffen wie vor der Krise, im europäischen Schnitt waren es jedoch sogar zwei Drittel (65%) der befragten Unternehmen (vor Covid-19: 47%).

 

36% der betroffenen deutschen Unternehmen kämpfen täglich mit Zahlungsverzögerungen

 

"Mehr als drei Viertel (76%) der betroffenen deutschen Unternehmen kämpft mindestens einmal pro Woche mit Zahlungsverzögerungen, mehr als ein Drittel (36%) davon täglich und jeder zehnte Finanzchef sogar mehrmals am Tag (13%)", sagt Van het Hof. "In Deutschland sind damit zwar insgesamt etwas weniger Unternehmen von Zahlungsverzögerungen durch die Covid-19-Pandemie betroffen als im europäischen Durchschnitt (52% vs. 65%), die betroffenen deutschen Firmen erleben dies dafür wesentlich häufiger (36% täglich vs. 24% in Europa)."

 

Nur etwa ein Drittel der befragten Unternehmen in Europa fühlt sich darauf wirklich gut vorbereitet. In Deutschland sind es mit 19% sogar noch weniger und mehr als jedes zehnte der befragten Unternehmen in Deutschland fühlt sich sogar gar nicht gewappnet.

 

Fast jedes dritte Unternehmen in Europa war im vergangenen Jahr Opfer eines Cyberangriffs

 

Neben Zahlungsverzögerungen (47%) sorgten sich die europäischen Finanzchefs vor Covid-19 vor allem um Insolvenzen (32%) und Cyberangriffe (30%).

 

"Knapp ein Drittel der befragten europäischen Unternehmen war im vergangenen Jahr Opfer eines Cyberangriffs", sagt Van het Hof. "Nicht alle Versuche waren erfolgreich, dennoch haben CFOs die damit verbundenen Gefahren auf dem Schirm und schätzen sie sogar noch höher ein als Schwierigkeiten bei der Lieferkette, Umsatz- oder Profitabilitätsrückgänge."

 

Zahlungsverzug auch bei Covid-19 größtes Risiko, gefolgt von Umsatzrückgang

 

Nach Ausbruch der Covid-19-Pandemie zeichnet sich eine leichte Verschiebung der Risiken ab: Neben Zahlungsverzögerungen (65%) waren europäische Unternehmen zwischen März und Mai 2020 insbesondere von Umsatzrückgängen (61%, im Vergleich zu 25% in 2019) und geringerer Profitabilität (43%) gezeichnet.

 

In Deutschland war die Negativentwicklung beim Umsatz etwas moderater. Nur die Hälfte musste Umsatzrückgänge hinnehmen (50% vs. 61% Durchschnitt). Dafür hatten deutsche Unternehmen wesentlich häufiger Probleme bei ihren Lieferketten (Deutschland 50% vs. 39% Durchschnitt).

 

"Zahlungsverzüge sind aber nach wie vor das größte Problem", sagt Van het Hof. "Das ist in Verbindung mit rückläufigen Umsätzen natürlich eine große Herausforderung mit vielen Unwägbarkeiten für die Unternehmen und ihre Planungssicherheit - und die Finanzchefs. Es ist entsprechend wenig verwunderlich, dass ihr Stresslevel seit Ausbruch der Pandemie deutlich gestiegen ist. Allerdings haben sich viele auch eine große Zuversicht bewahrt, dass sie diese Krise meistern werden."

 

Die Anzahl der europäischen CFOs, die optimistisch in die Zukunft schaut, ist durch die Covid-19-Pandemie von 48% auf 42% gesunken, 36% sind noch zuversichtlich (vorher: 50%). Im Gegenzug ist der Anteil derer, die sich gestresst fühlen von vorher 19% auf 32% gestiegen. Fast jeder vierte Finanzchef macht sich inzwischen sogar sehr große Sorgen 23% (vorher 9%). Die deutschen Finanzchefs sind insgesamt etwas weniger optimistisch und zuversichtlich als ihre europäischen Pendants, dafür sind sie insgesamt aber auch etwas weniger gestresst oder besorgt.

 

"DNA of a CFO": Finanzchefs ticken länder- und branchenübergreifend relativ ähnlich

 

"Erstaunlicherweise ticken die Finanzchefs von großen und kleinen Unternehmen in unterschiedlichen Branchen und unterschiedlichen Ländern sehr ähnlich und sind mit vergleichbaren Risiken konfrontiert", sagt Van het Hof. "Nur in der Finanzbranche zeigen sich leichte Unterschiede - hier ist die Furcht vor Cyberangriffen noch größer als in anderen Branchen. Dafür machen sich die Finanzchefs von Bankinstituten etwas weniger Sorgen um Zahlungsverzögerungen und Insolvenzen - vor allem auch, weil viele ihrer Kunden andere Banken und Finanzdienstleister sind."

 

Bei der Lösung der bevorstehenden Herausforderungen konzentrieren sich die Finanzchefs der befragten Unternehmen vor allem auf Planungssicherheit und ein möglichst stringentes internes Risikomanagement, eine stärkere Diversifizierung sowie Absicherungslösungen.

 

"Das Risikobewusstsein der Finanzchefs ist insgesamt deutlich gestiegen", sagt Van het Hof. "Sie machen ihre Hausaufgaben und intensivieren ihr internes Risikomanagement, die Planung von Szenarien und betreiben zunehmend proaktives Cash-Management. Zudem verstärken sie Maßnahmen, die zur Risikominderung in der Einstiegsphase von Kunden beitragen. Hinzu kommen diverse Initiativen zur Diversifikation, sowohl bei Absatzmärkten und -branchen als auch der Produktpalette sowie Absicherungslösungen für den Fall der Fälle."  Autor: www.eulerhermes.de

 

Ist der stationäre Handel noch zu retten? - Großangelegte Studie zeigt dringenden Handlungsbedarf

 

(GFD 07/2020) Servicemaßnahmen, Kundenbindungsprogramme, Kundenerlebnis, Mitarbeiterschulungen im Verkauf: "Beim Endkunden kommt kaum etwas an." Das ist das alarmierende Fazit der aktuellen Studie "Der stationäre Handel 2020". Die großangelegte Erhebung zeigt für so gut wie alle Unternehmen in diesem Bereich dringenden Handlungsbedarf auf. Viele werden sich unter dem steigenden Wettbewerbsdruck der kommenden Jahre nicht behaupten, weil sie ihr Potenzial nicht annähernd ausschöpfen. Zugleich macht die Studie aber auch Hoffnung: Wer jetzt die richtigen Weichen stellt, kann sich mit vergleichsweise einfachen Mitteln deutlich vom Wettbewerb und insbesondere von Online-Anbietern abheben.

 

577 Endkunden und 133 stationäre Händler aus dem Lebensmittelhandel, der Bekleidungsbranche und der Telekommunikation sowie weiteren Branchen nahmen an der Studie von Sickel und Team teil, die vom Deutschen Institut für Marketing unter der Leitung von Prof. Dr. Michael Bernecker begleitet wurde.

 

Einzigartige Kundenerlebnisse, so ein Ergebnis der Befragung, sucht man im stationären Handel oft vergeblich. Auch kompetentes Verkaufspersonal fehlt vielerorts. Hinzu kommt, dass Kundenbindungsmaßnahmen austauschbar sind und daher nicht für Differenzierung sorgen. Dabei zeigt sich deutlich, dass Endkunden diese Maßnahmen als weniger effektiv einstufen als die Händler selbst. Die Studienergebnisse zeigen klar, dass die Alleinstellungsmerkmale des stationären Handels von Endkunden und Händler ebenfalls jeweils unterschiedlich wahrgenommen werden. Händler glauben, dass Service und Kundenorientierung ihre klaren Alleinstellungsmerkmale (USP) sind. Endkunden nehmen allerdings im Vergleich das Sortiment und das Preis-Leistungs-Verhältnis viel stärker wahr. Händler schaffen es demnach aktuell nicht, von Kunden so wahrgenommen zu werden, wie sie es möchten. Schlussendlich wissen viele Händler also gar nicht, warum Kunden bei ihnen kaufen.

 

Christian Sickel, einer der führenden deutschen Vertriebsexperten, Gründer und Geschäftsführer von Sickel und Team: "Die Studie zeigt eindeutig, welche Faktoren für die Missstände verantwortlich sind. So fehlen auf Händlerseite meistens messbare Ziele sowie eine klare Kommunikation. Sowohl Verkaufsführung als auch Verkaufsmitarbeiter haben hier dringenden Nachholbedarf."

 

Für die Händler sollte die Erkenntnis alarmierend sein, dass Führungskräfte häufig nicht ausreichend Zeit zur Steuerung der Verkaufsprozesse und des Verkaufspersonals haben. Aber auch die Motivation und das Potenzial aller Mitarbeiter werden nicht weiter ausgebaut, etwa mit gezielten Coachings und Feedback-Gesprächen.

 

"Wer Erfolge sicherstellen will, muss sein Team mit einem individuellen und durchgängigen Konzept unter der Schirmherrschaft der Geschäftsführung schulen", weiß Christian Sickel. "Andernfalls tritt man immer nur auf der Stelle und spielt dem Online-Handel weiter in die Hand." Autor: www.sickel-team.com

 

Bei nahezu jedem dritten Freiberufler steht es Spitz auf Knopf

 

(GFD 07/2020) Die Ergebnisse der BFB-Konjunkturumfrage Sommer 2020 zeigen: Die Lage der Freiberufler ist und bleibt äußerst angespannt. Der Anteil derjenigen, die ihre momentane Geschäftslage als schlecht bewerten, verdoppelt sich nahezu, und der Anteil derjenigen, die eine ungünstigere Entwicklung im kommenden halben Jahr erwarten, verfünffacht sich fast.

 

„Die Corona-Krise hinterlässt tiefe Spuren in den freiberuflichen Feldern, dem bislang am stärksten wachsenden Wirtschaftsbereich. Das belegt nach unserer Schnellumfrage auch die turnusmäßig durchgeführte Konjunkturumfrage. Gerade entlang von Vergleichswerten der Konjunkturumfrage aus dem Vorjahr zeigt sich die Tragweite der Krise: Die Lage der Freiberufler ist äußerst angespannt“, so BFB-Präsident Prof. Dr. Wolfgang Ewer zu den Ergebnissen der repräsentativen Umfrage, die das Institut für Freie Berufe (IFB) Nürnberg im Auftrag des BFB im zweiten Quartal 2020 unter rund 2.000 Freiberuflern zur Einschätzung ihrer aktuellen wirtschaftlichen Lage, der voraussichtlichen Geschäftsentwicklung in den kommenden sechs Monaten, ihrer Personalplanung und Kapazitätsauslastung durchführte.

 

BFB-Präsident Prof. Dr. Ewer weiter: „Der Anteil derjenigen, die ihre momentane Geschäftslage als schlecht bewerten, hat sich nahezu verdoppelt, von 16,9 Prozent im vergangenen Sommer auf nunmehr 30,8 Prozent. Im Gegensatz dazu bewerten nur noch 28,5 Prozent ihre Situation als gut, vor einem Jahr waren es mit 41,5 Prozent nahezu eineinhalb Mal so viele. Hier verfestigt sich das durch unsere Schnellumfrage zu den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie in den Freien Berufen abzeichnende Schreckensszenario, wonach für fast jeden dritten Freiberufler (29,5 Prozent) der bereits entstandene wirtschaftliche Schaden existenzbedrohend ist.

 

Entspannung ist kurzfristig definitiv nicht in Sicht. Ganz im Gegenteil. Die Freiberufler erwarten, dass sich die Situation weiter zuspitzt. Der Anteil derjenigen, die eine ungünstigere Entwicklung im kommenden halben Jahr erwarten, hat sich nahezu verfünffacht, von 11,4 Prozent im Sommer 2019 auf nunmehr 56,8 Prozent. Demgegenüber ist der Anteil derjenigen, die eine günstigere Entwicklung erwarten, um mehr als die Hälfte geschrumpft, von 21,4 Prozent im Sommer 2019 auf jetzt 8,6 Prozent.

 

Im Zuge der Krise ändern sich auch die Vorzeichen für die Personalplanung. Jeder Fünfte (20,8 Prozent) rechnet krisenbedingt damit, in zwei Jahren weniger Mitarbeiter zu haben als heute. Dieser Wert lag vor einem Jahr bei 13,8 Prozent und erklärte sich seinerzeit vor allem durch die Aussicht, den Fachkräftebedarf nicht decken zu können.

 

Um möglichst viele Unternehmen auch aus den Freien Berufen durch die Krise zu lotsen und auf den erhofften Wachstumspfad zu bringen, muss die Bundesregierung bei ihren Programmen nachsteuern, etwa bei der Überbrückungshilfe durch eine Verlängerung sowie einen Unternehmerlohn. Wesentlich bleibt, Liquidität in den Unternehmen zu belassen.

 

Grundsätzlich gilt es gleichermaßen, etablierte Unternehmen zu stärken und Gründer sowie Nachfolger zu fördern. Die Bundesregierung muss alles daransetzen, um die hiesige Gründerkultur bestmöglich zu beleben. Dazu hat die große Koalition schon vor Corona weitere Impulse identifiziert, wie etwa eine grundsätzliche Umsatzsteuerbefreiung in den ersten beiden Jahren nach Gründung. Solche Projekte dürfen nicht aus dem Fokus geraten, sondern müssen beherzt angegangen und auch um weitere ergänzt werden, wenn sich Bedarf abzeichnet. Für eine moderne Volkswirtschaft sind Gründungen unverzichtbar: Sie durchlüften den Standort, sorgen für Wirtschaftskraft, sind Treiber von Innovationen und ganz besonders des digitalen Wandels.“

 

Ergebnisse der BFB-Konjunkturumfrage Sommer 2020 im Einzelnen:

 

Aktuelle Geschäftslage

28,5 Prozent der befragten Freiberufler stufen ihre aktuelle Geschäftslage als gut ein, 40,7 Prozent als befriedigend und 30,8 Prozent als schlecht. Dies ist verglichen mit den Sommer-Werten 2019 eine deutliche Abwärtsentwicklung. Vor einem Jahr lagen die Werte bei 41,5 Prozent (gut), 41,6 Prozent (befriedigend) und 16,9 Prozent (schlecht).

 

Alle vier Freiberufler-Gruppen beurteilen ihre aktuelle Lage schlechter als im Vorsommer: Die befragten technisch-naturwissenschaftlichen Freiberufler und die rechts-, steuer- und wirtschaftsberatenden Freiberufler sind zurückgenommener, die freien Heilberufe und die freien Kulturberufe noch verhaltener.

 

Sechs-Monats-Prognose

Für das kommende Halbjahr erwarten 8,6 Prozent der Befragten eine günstigere, 34,6 Prozent eine gleich bleibende und 56,8 Prozent eine ungünstigere Entwicklung. Hier verschieben sich die Werte im Vergleich zum letztjährigen Sommer deutlich: diese lagen bei 21,4 Prozent (günstiger), 67,2 Prozent (gleich bleibend) und 11,4 Prozent (ungünstiger).

 

Für alle vier Freiberufler-Gruppen steht das kommende Halbjahr unter ungünstigeren Vorzeichen. Die rechts-, steuer- und wirtschaftsberatenden Freiberufler und die technisch-naturwissenschaftlichen Freiberufler sehen die zukünftigen Entwicklungen kritisch. Noch verhaltener sind die freien Heilberufe und die freien Kulturberufe.

 

Personalplanung

11,7 Prozent der befragten Freiberufler gehen davon aus, binnen zwei Jahren mehr Mitarbeiter zu haben. 67,5 Prozent rechnen mit einer stabilen Personaldecke und 20,8 Prozent fürchten, Stellen abbauen zu müssen.

 

Konjunkturbarometer

Durch die Jahresvergleiche der BFB-Konjunkturbefragungen wird das Ausmaß der wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie ersichtlich. Das Geschäftsklima insgesamt wird deutlich schlechter eingeschätzt als in den Vorjahren. Der Geschäftsklimaindex in den Freien Berufen, also die Verknüpfung von Lageanalyse und Perspektive, ist negativ, allerdings nicht ganz so schlecht wie in der gewerblichen Wirtschaft.

 

Aktuelle Auslastung der Kapazitäten

Hier spiegeln die Werte eine sich verschlechternde Situation und merkliche Auftragsrückgänge. Im Rahmen der aktuellen Befragung geben 14,1 Prozent der Befragten an, dass ihre Kapazitäten überschritten sind. Noch im Sommer 2019 lag dieser Wert um rund zehn Prozentpunkte höher. Des Weiteren sind aktuell 34 Prozent zu mehr als 75 bis zu 100 Prozent ausgelastet, 16 Prozent zu mehr als 50 bis zu 75 Prozent, 15,4 Prozent zu mehr als einem Viertel bis zur Hälfte und 20,5 Prozent bis zu einem Viertel. Von denjenigen, die überausgelastet sind, sind bei gut zwei Drittel die Kapazitäten bis zu einem Viertel überschritten.

 

Perspektivische Auslastung

Auch an diesen Werten lässt sich eine deutliche Abwärtsentwicklung ablesen. Von denjenigen, die noch nicht überausgelastet sind, erwarten zwei Prozent, binnen der kommenden sechs Monate, und 5,3 Prozent, innerhalb der nächsten zwei Jahre über 100 Prozent ausgelastet zu sein. Diese Werte lagen im Sommer 2019 noch bei 6,1 und 7,6 Prozent.

 

Gründe für Überauslastung

Für 63 Prozent gründet die Überauslastung in einer zu hohen Nachfrage. 46 Prozent führen dies auf fehlende Fachkräfte und 11,8 Prozent auf fehlende weitere Mitarbeiter zurück.

 

Die freiberufliche Selbstständigkeit beeinflussende Faktoren

Hier rangieren mit 31,9 Prozent die politischen Rahmenbedingungen auf Platz eins, gefolgt von der Herausforderung, ausreichend qualifiziertes Personal zu finden (28 Prozent). Die Einwirkung der Digitalisierung auf ihr Geschäftsfeld ist lediglich für 15,7 Prozent der Befragten am dringendsten.  Autor: www.freie-berufe.de

 

Unternehmer verlangen mehr Zeit für Mehrwertsteuerumstellung

 

(GFD 06/2020) Nur etwa die Hälfte der Unternehmer schafft es, die Mehrwertsteuersenkung bis Anfang Juli umzusetzen. Das hat eine Umfrage des Düsseldorfer ‘markt intern‘-Verlages ergeben. 64 Prozent der Antwortenden fordern eine Verschiebung der befristeten Senkung.

 

In einer von 'markt intern' zwischen dem 12. und 19. Juni 2020 durchgeführten nicht repräsentativen Online-Umfrage unter gewerblichen Unternehmern und Freiberuflern haben 51 Prozent der Befragten angegeben, die notwendige Umstellung bis zum 1. Juli 2020 umsetzen zu können. Das bedeutet aber auch: 19 Prozent geben an, diesen Termin nicht einhalten zu können, 30 Prozent der an der Umfrage teilnehmenden Unternehmer können dazu noch nichts sagen. Ein weiteres wichtiges Ergebnis der Umfrage: 64 Prozent der Befragten sprechen sich dafür aus, die Mehrwertsteuersenkung zu verschieben. Dabei befürworten 75 Prozent eine Verschiebung um zwei Monate, 11 Prozent der Befragten reicht ein Monat.

 

Ganz andere Erwartungen als die Bundesregierung haben die Umfrageteilnehmer, was die konjunkturelle Wirkung dieser Maßnahme betrifft. Lediglich 4 Prozent erwarten mehr Erträge für ihr Unternehmen, 68 Prozent befürchten aber geringere Umsätze nach dem Auslaufen der Befristung. 55 Prozent geben an, die Senkung komplett an ihre privaten Kunden weiterzugeben, 23 Prozent verneinen dies. 22 Prozent wollen dies zum Teil tun.

 

Vor diesem Hintergrund appelliert 'markt intern'-Herausgeber Olaf Weber an Bundestag und Bundesrat, bei der jeweiligen parlamentarischen Beratung diese Ergebnisse zu beachten: „Die Umfrage bestätigt leider sämtliche unserer Befürchtungen. Die viel zu kurzfristig vorgesehene Mehrwertsteuersenkung ist für viele mittelständische Unternehmen zeitlich kaum umzusetzen, weshalb sie verschoben werden sollte, am besten sogar um zwei Monate. Besonders schmerzt, dass die Unternehmer während der Absenkungsphase keine Mehrerträge erwarten und anschließend sogar mit sinkenden Umsätzen rechnen. Für eine Konjunkturbelebung der Mittelständler müssen sich die Unternehmen mal wieder selbst helfen.“ Die vollständigen Ergebnisse und die Zusammensetzung der Umfrageteilnehmer finden Sie unter www.markt-intern.de/mwst-ergebnisse. autor: www.markt-intern.de

 

Corona-Krise: 11 Prozent der Weltwirtschaft floriert, ganze 58 Prozent sind bedroht

 

(GFD 06/2020) Wirtschaftswissenschaftler sind sich einig: Die Covid-19-Pandemie hat die Wirtschaft weltweit stark geschädigt. Doch Prognosen darüber, wie es weitergeht, sind weit weniger einstimmig. Eine Analyse des Status Quo, wie sich Nachfrageverschiebungen aufgrund von Kontaktbeschränkungen und Ausgangssperren auf verschiedene Branchen ausgewirkt haben, bietet eine gute Grundlage für stabile Voraussagen. Die Ergebnisse der von der globalen Strategie- und Marketingberatung Simon-Kucher & Partners durchgeführten Studie:

 

Eine aktuelle Expertenanalyse von Simon-Kucher & Partners liefert neue Erkenntnisse darüber, wie stark die Covid-19-Pandemie Unternehmen rund um den Globus bedroht. Das Ergebnis: Unternehmen lassen sich in vier Kategorien einteilen: florierend (thriving), überfordert (overwhelmed), unausgelastet (overweight) und bedroht (threatened). Bei der Untersuchung von Nachfrageschwankungen in den unterschiedlichen Branchen, ausgelöst durch veränderte Kundenvorlieben und -verhalten, sowie von neuen Herausforderungen im Vertrieb durch Kontaktbeschränkungen und gesetzliche Auflagen, berechneten die Experten für jede Branche die Auswirkungen anhand eines Punktesystems*. Davon ausgehend erstellte Simon-Kucher eine Krisen-Matrix, auf der insgesamt 23 unterschiedliche Branchen einer der vier Kategorien zugeteilt werden konnten:

 

58 Prozent der Wirtschaft ist stark bedroht

 

Das Alarmierende: Laut dieser Analyse sind derzeit 58 Prozent der Weltwirtschaft bedroht – in einem Wert von insgesamt 50 Billionen US-Dollar. Das zeigt nicht nur, dass die Auswirkungen der Krise in einzelnen Branchen enorm sind. Sondern auch, dass es eben nicht nur wenige Bereiche, wie etwa Tourismus und Gastronomie, betrifft. Die Automobilbranche, die Fertigungsindustrie, der Handel, Maschinenbau, Logistik, das Baugewerbe und die Werbebranche – sie alle gehören zu den bedrohten Branchen. „Auch wenn viele Unternehmen die letzten Monate überstanden haben, ist es äußerst fraglich, wie lange sie noch durchhalten können“, sagt Jan Haemer, Partner von Simon-Kucher. „Firmen aus der Bedroht-Kategorie müssen daher ihr Geschäftsmodell grundsätzlich auf den Prüfstand stellen.“ Dazu sei es nötig, Marktangang und Vertriebsstrukturen zu reorganisieren, die Customer Journey anders aufzubauen sowie neue Bezahlmodelle zu nutzen und neue Wettbewerbsvorteile zu schaffen. „Gleichzeitig müssen sie Altes über Bord werfen, das in einer Welt mit Corona nicht mehr den Kundenbedürfnissen entspricht und Ihr Angebot darauf ausrichten, was für den Kunden in Zukunft wichtig ist“, so Haemer.

 

14 bzw. 17 Prozent sind unausgelastet und überfordert

 

Laut Analyse machen „unausgelastete“ Unternehmen, die zwar erhebliche Nachfrageinbrüche haben, jedoch nur geringfügig in ihrem Vertriebsmodell beeinträchtigt sind, 14 Prozent der Weltwirtschaft aus, was einem geschätzten Wert von zwölf Billionen US-Dollar entspricht. Hingegen sind 17 Prozent (ca. 14 Billionen US-Dollar) überfordert, erleben also einen solchen Nachfrageanstieg, dass sie möglicherweise nicht in der Lage sind zu liefern oder ihre Qualitäts- und Servicestandards aufrechtzuerhalten.

 

Florierende Branchen machen elf Prozent der globalen Wirtschaft aus

 

Positiver stimmt ein anderes Ergebnis der Studie: Elf Prozent der Wirtschaft mit einem ungefähren Wert von neun Billionen US-Dollar können sogenannten florierenden Branchen zugeordnet werden. Pharma-, Telekommunikations-, Software-, Internet- und Medienunternehmen profitieren derzeit von Nachfrageverschiebungen und die derzeitigen Social-Distancing-Maßnahmen verhindern hier weder den allgemeinen Konsum noch Marketingmaßnahmen in der Neukundenerschließung oder Produktentwicklung. „Jedes Unternehmen will derzeit in dieser Situation sein, die meisten sind aber nur durch Glück oder Zufall hierher geraten“, beurteilt Andreas Hudelmaier, Partner von Simon-Kucher, die Lage.

 

Commercial Agility: der Schlüssel zum Überleben der Krise

 

Fest steht, die erhobenen Zahlen sind nicht unveränderlich: Eine genaue Summe des durch die Corona-Pandemie verursachten gesamtwirtschaftlichen Schadens wird erst nach der Krise feststehen. Hinzu kommt: Niemand weiß, wie oft das wiederaufflackernde Covid-19-Virus die Wirtschaft – und damit die Unternehmen – durch wiederkehrende staatlich verordnete Beschränkungen dazu zwingen wird, noch einmal auf Neustart zu gehen. „Daher sprechen wir von einer wiederkehrenden Krise“, so Hudelmaier. Im Unterschied zu einer klassischen Wirtschaftskrise, die meist einen linearen Nachfrageeinbruch sowie eine ebensolche Erholung aufweist, belastet eine wiederkehrende Krise sowohl Nachfrage als auch Vertriebsmodelle. „Für diese Doppelbelastung hat so gut wie kein Unternehmen eine Strategie in der Tasche“, sagt Hudelmaier.

 

Wie sich die Unternehmen dabei schlagen sei, so Haemer, von ihrer Commercial Agility abhängig. „Das ist die Fähigkeit, schnell und flexibel immer und immer wieder belastbare Entscheidungen bezüglich Angebotsgestaltung, Vertrieb, Kostenmanagement und Preisgestaltung zu treffen. Und zwar bis der Markt sich wieder einigermaßen beruhigt hat“, erklärt Haemer. Autor: www.simon-kucher.com

 

Gut die Hälfte der Selbstständigen sieht Existenz ihres Unternehmens bedroht

 

(GFD 04/2020 ) Gut jeder Vierte hat Soforthilfe beantragt / Nur bei jedem Zweiten war die Beantragung einfach

 

Trotz staatlicher Sofort- und Liquiditätshilfen glaubt mehr als die Hälfte der Selbstständigen (55,7 Prozent) nicht daran, dass mit den Hilfen die existenzielle Bedrohung ihres Betriebs bereits abgewendet ist.

 

Dies geht aus einer aktuellen repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey bei über 1.000 Selbstständigen hervor, deren Ergebnisse der Online-Ausgabe des Wirtschaftsmagazins 'Capital' exklusiv vorliegen. Wie die Umfrage weiter zeigt, hat gut jeder Vierte staatliche Soforthilfe beantragt, etwa jeder Sechste schickte Mitarbeiter in Kurzarbeit. Elf Prozent bemühten sich um eine Stundung von Beiträgen oder Steuern, fünf Prozent beantragten Grundsicherung. Mehr als die Hälfte der befragten Selbstständigen nehmen derzeit keine dieser Möglichkeiten in Anspruch.

 

Von denjenigen, die mit staatlichen Zuschüssen Umsatzeinbußen überbrücken wollen, um Betriebskosten wie Mieten bezahlen zu können, berichtet knapp jeder Zweite, dass er mit der Beantragung und Bearbeitung der Anträge keinerlei nennenswerte Probleme hatte. Viele fanden sich jedoch in der Warteschleife wieder: Mehr als jeder Achte hatte Schwierigkeiten, die zuständigen Portale zu erreichen. Etwa 15 Prozent beklagten Unklarheit über den Status ihres Antrags. Auch für die Auszahlung mussten offenbar doch einige bürokratischen Hürden überwunden werden. Etwa jeder Fünfte berichtete über eine lange Wartezeit, bis das Geld auf dem Konto war.

Autor: www.capital.de

 

 

NRW-Firmen lassen Rechnungen länger liegen

 

(GFD 04/2020) Die Zahlungsmoral der nordrhein-westfälischen Unternehmen hat sich infolge der Corona-Krise bereits spürbar verschlechtert. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse der Wirtschaftsauskunftei Verband der Vereine Creditreform, die der Düsseldorfer Rheinischen Post exklusiv vorliegt.

 

Im Zeitraum Januar bis April 2020 stieg das Volumen unbezahlter, überfälliger Rechnungen in NRW demnach von 1,56 Milliarden auf 1,68 Milliarden Euro. Dabei floss in die Berechnung laut Creditreform der Shutdown, also das Herunterfahren der Wirtschaft aufgrund der Corona-Pandemie, bisher nur mit einer Woche ein. Wie sich weiterhin an den Zahlen ablesen lässt, zahlten die Unternehmen ihre Rechnungen auch immer später.

 

Die in den Zahlen erfasste Shutdown-Woche bewirkte demnach, dass die überfälligen Rechnungen im Durchschnitt einen halben Tag länger liegen blieben und damit insgesamt fast 41 Tage lang.

 

Dazu sagte Arndt G. Kirchhoff, Präsident der Landesvereinigung der Unternehmensverbände NRW: "Viele Unternehmen befinden sich in einer zum Teil existenziell dramatischen Situation." Der Rettungsschirm der Landesregierung von 25 Milliarden Euro vor diesem Hintergrund sei ein ganz starkes Signal an die Unternehmen im Land.

 

Bei der Vergabe von Notfallkrediten durch die Banken hake es aber noch vielfach. "Ich begrüße daher sehr, dass die Bundesregierung entschieden hat, Kredite bis zu 800.000 Euro für Betriebe mit bis zu 250 Beschäftigten über Bürgschaften der KfW zu 100 Prozent abzusichern." In den nächsten Wochen werde es immer wieder darauf ankommen, die Instrumente passgenau zu schärfen.

Autor: www.rp-online.de

 

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
© Gewerbefinanzen-Deutschland.de I Friedrich Andreas Wanschka I RedaktionMedien Verlag Astrid Klee