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Gehaltsverzicht: Wie Arbeitgeber und Arbeitnehmer in der Corona-Krise Arbeitsplätze erhalten

 

(GFD 08/2020) Viele Unternehmer fragen sich, wie sie ihren Betrieb durch die Corona-Krise bringen. Gehaltsverzicht ist eine Möglichkeit, um Kosten zu senken. „Ein heikles Thema“, sagt Ecovis-Arbeitsrechtler Thorsten Walther in Nürnberg. Er erklärt, wie das funktionieren kann und was zu beachten ist.

 

Gehaltsverzicht muss freiwillig sein und Mitarbeiter müssen zustimmen

 

Der wirtschaftliche Einbruch aufgrund der Corona-Pandemie kommt jetzt mit Macht im Mittelstand an. In vielen Betrieben enden die Kurzarbeiterregelungen. Sie haben zwar schon wieder genügend Aufträge, ihnen fehlt aber Liquidität. Wenn Mitarbeiter auf Gehalt verzichten, können Unternehmen ihre Kosten senken und gleichzeitig Arbeitsplätze erhalten. Rechtlich auf der sicheren Seite sind Unternehmer aber nur, wenn sich an die Regeln halten. „Dauerhafter oder zeitlich befristeter Gehaltsverzicht ist freiwillig“, sagt Thorsten Walther, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht bei Ecovis in Nürnberg, „und die betroffenen Mitarbeitenden müssen zustimmen.“

 

Voraussetzungen für Gehaltsverzicht

 

Grundsätzlich muss der Gehaltsverzicht arbeitsrechtlich zulässig sein. Er darf nicht gegen gesetzliche Rahmenbedingungen für Arbeitsverträge verstoßen. Urlaubs- oder Weihnachtsgeld lassen sich beispielsweise nicht streichen, wenn sie Teil des Arbeitsvertrags sind oder wie im Fall des Weihnachtsgelds als betriebliche Übung gilt, weil es schon drei Jahre hintereinander gezahlt wurde. Der Stundenlohn darf nicht unter den Mindestlohn fallen. Und wer auf Urlaub verzichtet, darf nicht unter die Grenze von vier Wochen im Jahr fallen. Der Gehaltsverzicht braucht eine schriftliche Vereinbarung, die die Mitarbeitenden unterschreiben müssen. In der Vereinbarung muss stehen, wie hoch das Gehalt ist, welche Zuschläge, Prämien oder Boni es gibt und für wie lange der Gehaltsverzicht gelten soll.

 

Für tarifgebundene Betriebe gelten besondere Regeln

 

In Betrieben mit Tarifvertrag ist ein Gehaltsverzicht nur möglich, wenn der Tarifvertrag diesen nicht ausdrücklich verbietet. Enthält er eine Öffnungsklausel, dann lassen sich zusätzliche Regelungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer treffen. „Dann können Chefs auch in Betrieben mit Tarifvertrag mit den Mitarbeitern über einen Gehaltsverzicht sprechen“, sagt Walther.

 

Was Arbeitgeber tatsächlich sparen

 

Neben dem geringeren Gehalt zahlen Arbeitgeber entsprechend auch weniger zur Kranken- und Pflegeversicherung sowie zur Renten- und Arbeitslosenversicherung. „Aufgrund der Steuerprogression sind die Nettoeinbußen bei den Arbeitnehmern meist nicht so groß“, sagt der Ecovis-Rechtsanwalt. Arbeitnehmer, die unterhalb der Beitragsbemessungsgrenze für die Rentenversicherung liegen, verlieren jedoch Rentenpunkte, wenn sie weniger in die Rente einzahlen. „Müssen Mitarbeiter trotz Gehaltsverzicht später gekündigt werden, hat das Folgen für das Arbeitslosengeld. Denn das wird nach dem durchschnittlichen Gehalt der vergangenen zwölf Monate berechnet“, sagt Walther.

 

Ein Beispiel was Gehaltsverzicht konkret in Zahlen bedeutet

 

Ein verheirateter Doppelverdiener mit einem Kind und 13 Gehältern hat ein Monatsbruttogehalt von 4.500 Euro. Netto bekommt er rund 2.744 Euro. Verzichtet er auf zehn Prozent seines Gehalts und liegt dann bei 4.050 Euro brutto sieht er 2.524 Euro auf seinem Konto. Die Abgabenlast sinkt dabei von 39 auf 37,6 Prozent. Damit verringert sich das Nettoeinkommen nicht um 10 Prozent, sondern um 8,2 Prozent.

 

Der Arbeitgeber hat eine Ersparnis von insgesamt 539 Euro – „bei zehn Mitarbeitern sind das 5.390 Euro geringere Lohnkosten im Monat“, sagt Walther.

 

Miteinander sprechen ist eine wichtige Voraussetzung bei Lohnverzicht

 

Denken Chefs über Gehaltsverzicht nach, um Arbeitsplätze zu sichern, sollten sie sich auch Gedanken über Gegenleistungen machen. Das können beispielsweise zusätzliche Urlaubstage sein oder Sonderzahlungen, wenn es dem Unternehmen wieder besser geht. „Will ein Arbeitgeber die Gehälter der Mitarbeiter senken, sollte er unbedingt vorher über die Lage des Unternehmens mit seinen Mitarbeitern sprechen und dessen Perspektiven aufzeigen“, empfiehlt Arbeitsrechtler Walther, „und nicht auf den Rat von Experten verzichten, um die Vereinbarungen wasserdicht zu gestalten.“ Autor: www.ecovis.com

 

Deutsche Unternehmen kommen im internationalen Vergleich am besten durch COVID 19-Krise

 

(GFD 07/2020) Die Maßnahmen der Bundesregierung zur Bewältigung der COVID19-Krise scheinen deutsche Unternehmen vergleichsweise gut durch die Krise zu bringen. Wie eine groß angelegte Umfrage von HSBC zeigt, ist der Anteil der Unternehmen, die durch die Pandemie stark beeinträchtig sind, in Deutschland mit 53 Prozent am geringsten. Zum Vergleich: Weltweit gaben 72 Prozent der Teilnehmer an, die Auswirkungen der Krise stark zu spüren. Im Rahmen der Studie wurden 2600 Firmen in 14 Staaten mit einem Umsatz von mehr als 5 Millionen Dollar befragt, darunter 200 deutsche Unternehmen.

 

"Dank der schnellen und umfangreichen Reaktion der staatlichen Institutionen ist die initiale Bewältigung der COVID19-Krise in Deutschland bisher gut gelungen", sagt Nicolo Salsano, verantwortlicher Vorstand für Commercial and Institutional Banking bei HSBC Deutschland. "Nun ist es mit Blick nach vorn an der Zeit, die Lehren aus der Krise für die eigene Unternehmensstrategie zu ziehen. Ist das Geschäftsmodell noch passgenau oder muss es angepasst werden? In welche Bereiche sollte investiert werden? Bei all diesen Überlegungen wird das Thema Nachhaltigkeit immer wichtiger."

 

Wie die Studie zeigt, scheint die Krise das Bewusstsein für nachhaltiges Wirtschaften geschärft zu haben. 61 Prozent der deutschen Unternehmen geben an, das Thema sei wichtiger geworden oder sogar wichtiger als je zuvor. Das liegt leicht unter dem weltweiten Durchschnitt von 65 Prozent. Für deutsche Unternehmen steht dabei das Thema Energiewende ganz oben auf der Prioritätenliste, gefolgt vom Kampf gegen den Klimawandel und der Förderung nachhaltigen Konsumentenverhaltens. Und gut die Hälfte der befragten Firmen plant, sich mit nachhaltigen Lieferketten und nachhaltiger Infrastruktur zu beschäftigen.

 

In den kommenden fünf Jahren setzen deutsche Unternehmen mit Blick nach vorn stark auf Investitionen in Technologie und Innovation. Die Firmen erwarten, dass dies unter anderem das mobile Arbeiten fördern wird und setzen mit Blick in die Zukunft verstärkt auf virtuelle Meetings. 39 Prozent der Befragten wollen Flugreisen zu Meetingzwecken reduzieren. Etwas mehr als die Hälfte der Umfrageteilnehmer rechnet sogar damit, dass flexible Arbeitsformen bei ihnen zum Standard werden.

 

In den vergangenen zwei Jahren haben deutsche Firmen vor allem drei Maßnahmen ergriffen, um ihr Geschäft widerstandsfähig aufzustellen. Der Hauptfokus lag auf technologischen Änderungen und Innovation (59 Prozent). 42 Prozent der Befragten haben ihr Geschäft diversifiziert und 32 Prozent konsolidierten ihre Finanzen. Mit Blick auf die Krise gaben die Befragten an, die Investitionen in Technologie und Innovation hätten in den vergangenen Monaten den größten Mehrwert gebracht.

 

So sagen dann auch neun von zehn Unternehmen, sie seien zumindest teilweise bereit für die Herausforderungen der vergangenen Monate gewesen. Mehr als die Hälfte der befragten Firmen sagt gar, sie sei gut vorbereitet gewesen - auch wenn sie rückblickend mehr hätten tun können. Dies schlägt sich in der täglichen Arbeit nieder. Gut ein Fünftel der Unternehmen arbeitet auch in der Krise wie zu normalen Zeiten. Zwei Drittel arbeiten mit Einschränkungen, und nur etwas über ein Zehntel hat den Geschäftsbetrieb vorübergehend eingestellt.

 

Gleichzeitig verbesserte sich die Beziehung zu wichtigen Stakeholdergruppen. 82 Prozent der Umfrageteilnehmer sagen, sie fühlten sich ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern näher als vor der Krise. 81 Prozent gaben an, ihre Kundenbeziehungen seien besser geworden, und 76 Prozent sehen sich ihren strategischen Partnern und Zulieferern stärker verbunden. Neun von zehn Unternehmen haben während der Krise kleinere Geschäftspartner unterstützt bzw. haben selbst Unterstützung erfahren. Dies beinhaltete sowohl das Teilen von Expertise und Räumlichkeiten als auch eine bevorzugte finanzielle Behandlung. Autor: www.hsbc.de

 

 

Liebe Leserinnen und Leser,

 

wir erleben gerade eine wahrlich bedrohliche und bislang nicht erlebte Situation, die es für uns alle zu meistern gilt. Um dies kurzfristig zu schaffen, werden die benötigten Liquiditäts- und Arbeitssicherungsprogramme hauptsächlich von Bund und Land kommen. Insbesondere Selbstständige/Freiberufler und Unternehmer haben eine Vielzahl von Fragen, die wir in dieser Ausgabe in verschiedenen Artikeln beantworten möchten.

 

Noch nie war das Thema „Home Office“ so aktuell wie heute zu Zeiten des Corona-Virus. Viele Unternehmen möchten die Ansteckungsgefahr im Unternehmen minimieren, oder sind aufgrund eines Mitarbeiters/einer Mitarbeiterin, der/die positiv getestet wurde, gezwungen, das gesamte Personal nach Hause zu schicken. Aber nicht alle  sind entsprechend darauf vorbereitet, oftmals fehlt es am entsprechenden Equipment oder technischem Wissen. Auch waren noch nie Home-Office Arbeitsplätze in Deutschland in einer so großen Vielzahl so kurzfristig bereitzustellen.

 

Entscheidend ist auch das Knowhow, wie diese Situation zu behandeln ist. Genau zu diesen Themen finden Sie interessante Antworten und Tipps auf den nächsten Seiten dieser Ausgabe.

 

Hier komplettes eMagazin als PDF-Ausgabe

 

Gewerbefinanzen-Deutschland.de eMagazin: HomeOffice 2020
Komplette PDF-Ausgabe
gewerbe_finanzen_deutschlandd_2020.pdf
PDF-Dokument [2.7 MB]

 

Wir wünschen Ihnen eine spannende Lektüre und bleiben Sie gesund!

 

Ihr Team vom Gewerbefinanzen-Deutschland.de

 

 

 

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