"Report Mainz": Corona-Pandemie trifft Mittelstand hart

 

DIW: Selbstständige Frauen verzeichnen die größten Einkommenseinbußen

 

(GFD 10/2020) Eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), welche die ökonomischen Folgen der Corona-Krise untersucht hat, offenbart die dramatische Lage der Selbstständigen in Deutschland. Die wissenschaftliche Studie liegt dem ARD-Politikmagazin "Report Mainz" exklusiv vor. Die Daten zeigen große Unterschiede bei den wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie zwischen Selbstständigen und Angestellten. So hätten 56 Prozent der Selbstständigen Einkommenseinbußen. Bei den Angestellten waren es im Vergleich nur 16 Prozent. Im Mittel hatten Selbstständige aufgrund dessen jeden Monat 1.300 Euro weniger zur Verfügung. Angestellte verzeichneten im gleichen Zeitraum im Mittel 350 Euro pro Monat weniger. Prof. Alexander Kritikos, einer der Autoren der Studie, äußerte sich gegenüber "Report Mainz": "Wenn die Selbstständigen weiterhin solche beträchtlichen finanziellen Einbußen verzeichnen müssen, droht die Gesellschaft nicht nur wirtschaftlich ärmer zu werden, sondern auch die kulturelle Vielfalt zu verlieren. Gleichzeitig ist mit einer sinkenden Gründungsbereitschaft zu rechnen. Schwindet diese Bereitschaft, verliert die deutsche Wirtschaft an Innovationsgeist und Dynamik."

 

DIW: Corona-Pandemie trifft vor allem Frauen Desweiteren traf es laut der Studie selbstständige Frauen härter als Männer. Sie tragen ein um 35 Prozent höheres Risiko als selbstständige Männer, von Einkommenseinbußen betroffen zu sein. Daniel Graeber vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung erklärte im Interview mit "Report Mainz": "Frauen arbeiten häufig in Berufen, die viel mit Menschenkontakt einhergehen. Also Gesundheits- und Verkaufsberufe oder im Hotel- und Gaststättengewerbe." Das seien Bereiche, die sehr stark durch die Corona-Maßnahmen reguliert würden und die zu Beginn der Pandemie sogar wochenlang ganz schließen mussten. Um gegenzusteuern, fordert Alexander Kritikos, die Politik sollte die Überbrückungshilfen so ausgestalten, dass sie auch Selbstständigen helfen, die Zeit zu überbrücken. Staatliche Hilfen sollten nicht nur fixe Betriebskosten decken, sondern auch für den privaten Lebensunterhalt eingesetzt werden können.

 

DEHOGA-Umfrage: 94 Prozent der Clubs und Diskotheken stehen vor dem Aus Laut der Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA), Ingrid Hartges, sei die Lage für viele Betriebe der Gastronomie und Hotellerie dramatisch. Die neueste DEHOGA-Umfrage vom Oktober, die "Report Mainz" exklusiv vorliegt, belegt, dass sich rund 58 Prozent der gastgewerblichen Betriebe aufgrund der Corona-Krise in ihrer Existenz gefährdet sehen. Laut der Umfrage rechnet jeder siebte Betrieb (14,3 Prozent) damit, ab Oktober sein Geschäft aufgeben zu müssen. Die Aussichten seien besonders düster für Diskotheken und Clubs. Hier stünden sogar 94 Prozent vor der Geschäftsaufgabe. Ferner gingen fast neun Prozent der Betriebe davon aus, dass sie in den nächsten Wochen Insolvenz aufgrund von Zahlungsunfähigkeit anmelden müssen. Der Lockdown im Frühjahr habe riesige Löcher in die Bilanzen der Gastronomen und Hoteliers gerissen, teilte der DEHOGA mit. Auch im September beklagten laut dem Verband rund 74 Prozent der befragten Unternehmen Verluste in Höhe von durchschnittlich fast der Hälfte des Umsatzes.

 

DEHOGA: "Bereits im Herbst droht eine Pleitewelle" DEHOGA-Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges sagte im Interview mit "Report Mainz": "Das sind Familienunternehmen und es ist wirklich bitter, was hier in diesem Jahr schon passiert ist. Gerade die Vielzahl der kleinen und mittleren inhabergeführten Betriebe, die schon sehr viel von ihrem eigenen Vermögen in den Betrieb gesteckt haben, ziehen die Reißleine und sagen, 'es lohnt sich nicht mehr' und geben ihr Geschäft auf." Auf der anderen Seite treffe es auch die großen Hotels, sagte sie gegenüber "Report Mainz". Insbesondere in den Messestädten, dort wo keine großen Veranstaltungen mehr stattfinden und keine Geschäftsreisenden mehr hinkommen, sei die Situation dramatisch. Autor: www.swr.de

 

Starker Anstieg der Firmen- und Privatinsolvenzen erwartet - Insolvenzwelle wird ins Jahr 2021 hineinreichen

 

(GFD 10/2020) Die Firmen- und Privatinsolvenzen sind in Deutschland trotz der Rezession aufgrund der Corona-Pandemie in den ersten neun Monaten des Jahres auf ein historisches Tief gesunken.

 

Bis zum 30.9.2020 haben in Deutschland knapp 12.200 Unternehmen eine Insolvenz angemeldet und damit 14,7 Prozent (1.bis 3. Quartal 2019: 14.381) weniger als noch im letzten Jahr. Ein Grund dafür ist, dass die Insolvenzantragspflicht für Unternehmen seit dem 1. März 2020 ausgesetzt ist. Hinzu kommen die unterschiedlichen Rettungspakete für Unternehmen, die entwickelt wurden, um im Jahr 2020 ein historisches Ausmaß an Firmeninsolvenzen zu verhindern. "Die wirtschaftlichen Probleme vieler Unternehmen durch die Corona-Krise zeigen sich bislang nicht in einem Anstieg der Unternehmensinsolvenzen. Die Hilfszahlungen verschleiern derzeit die wahre finanzielle Struktur einiger Unternehmen. Derzeit haben über 300.000 Unternehmen in Deutschland finanzielle Probleme", sagt CRIFBÜRGEL Geschäftsführer Dr. Frank Schlein.

 

Ab dem 1. Oktober 2020 ist in Deutschland mit einem Anstieg der Firmeninsolvenzen zu rechnen, denn ab diesem Stichtag gilt für zahlungsunfähige Unternehmen wieder die Insolvenzantragspflicht.

 

CRIFBÜRGEL geht für das Jahr 2020 von bis zu 18.000 Insolvenzen aus. Da die Insolvenzstatistik stets die Vergangenheit abbildet, also gewissermaßen einen Blick in den Rückspiegel darstellt, werden die genauen Auswirkungen der Corona-Krise verstärkt im kommenden Jahr sichtbar werden. Die Insolvenz-Welle wird auch noch weit ins Jahr 2021 hineinreichen. Die negativen Folgen des Corona-Lockdowns und der anhaltenden Weltwirtschaftskrise wurden somit lediglich verschoben. Geschädigte sind vor allem Gläubiger, das heißt Lieferanten oder auch Vermieter, die befürchten müssen, durch eine Insolvenz auf ihren Forderungen sitzen zu bleiben und so ihr Geld nicht zu bekommen. Derzeit sind Unternehmen aus den Branchen Gastronomie, Touristik (z.B. Reisebüros), Entertainment (z.B. Kinos) und Messebauer besonders insolvenzgefährdet.

 

Auch bei den Privatinsolvenzen erwartet CRIFBÜRGEL einen starken Anstieg im Jahr 2021. Die Privatpleiten sind von Januar bis September im Vergleich zu den letzten drei Quartalen 2019 um 19 Prozent auf 53.000 (Januar bis September 2019: 65.493) Fälle zurückgegangen.

 

Die Gründe liegen zum einen in der längeren Bearbeitungszeit der Insolvenzgerichte während der Corona-Pandemie. Zum anderen haben viele Privatpersonen den Zeitpunkt ihres Insolvenzantrages zeitlich nach hinten verschoben, da sie auf den Stichtag zur verkürzten Restschuldbefreiung warten. Die Verkürzung des Restschuldbefreiungsverfahrens auf drei Jahre soll für alle Insolvenzverfahren gelten, die ab dem 1. Oktober 2020 beantragt werden.

 

"Auch haben Kurzarbeit und eigene finanzielle Ersparnisse zunächst die finanzielle Schieflage vieler Bundesbürger abgemildert. In einigen Fällen helfen auch weitere Kredite", erklärt Schlein.

 

Durch die aktuelle Wirtschaftskrise wird die private Verschuldung aber deutlich zunehmen. Für die Monate Oktober bis Dezember und auch im Jahr 2021 erwartet CRIFBÜRGEL deutlich mehr Privatinsolvenzen in Deutschland. "Für das laufende Jahr gehen wir von bis zu 85.000 Privatinsolvenzen aus - 2021 könnten es über 100.000 werden", so Schlein.

 

Bei höherer Arbeitslosigkeit wird es wieder mehr Insolvenzen in Deutschland geben, da die Personen bei weiterhin hohen Kosten über weniger Geld verfügen. Aber nicht nur Arbeitslosigkeit, sondern auch der starke Anstieg von Kurzarbeit wird die Zahl der Privatinsolvenzen erhöhen. Die Menschen werden dadurch weniger Geld in der Tasche haben, um ihren Verpflichtungen wie Kreditzahlungen, Mieten oder Finanzierungen nachzukommen. Auf Dauer führt weniger Einkommen erst in die Überschuldung und dann in die Privatinsolvenz.

 

Bereits jetzt gelten circa 6,8 Millionen Bürger als überschuldet. Für viele dieser Personen kann ein Schock auf der Einkommensseite für ein erhöhtes Risiko einer Privatinsolvenz sorgen. Hinzu kommt, dass Soloselbstständige und Honorarkräfte aus unterschiedlichsten Branchen von einem Tag auf den anderen ihr komplettes Einkommen verloren haben. Durch die Corona-Pandemie sind so viele Bürger völlig unerwartet in eine finanzielle Schieflage geraten. Autor: www.buergel.de

 

Insolvenzrecht: Mehr Rechtssicherheit in Krisenzeiten

 

(GFD 09/2020) Die Coronavirus-Pandemie ist eine Belastung für das Wirtschaftsleben.

 

Die Bundesregierung will die Folgen für Unternehmen abmildern. Darum soll das Gesetz zur Insolvenzaussetzung bis zum 31. Dezember 2020 verlängert werden. Das Kabinett hat eine Formulierungshilfe für die Koalitionsfraktionen beschlossen.

Das Gesetz soll Unternehmen helfen, die infolge der Coronavirus-Pandemie in Schwierigkeiten geraten sind.

 

Die Ausbreitung des Coronavirus hat zu Einschränkungen in vielen Bereichen des Privat- und Wirtschaftslebens geführt. Das Gesetz zur Abmilderung der Folgen der Corona-Pandemie im Insolvenzrecht soll nun bis zum 31. Dezember 2020 verlängert werden, um eben gerade diese Folgen der Pandemie für die Wirtschaft abzufedern. Die Regelungen gelten grundsätzlich für einen begrenzten Zeitraum und sollen nach dem Ende der derzeitigen Ausnahmesituation die Rückkehr zur bisherigen Rechtslage sichern.

 

Durch das Gesetz ist im März dieses Jahres die Insolvenzantragspflicht für Unternehmen ausgesetzt worden, die infolge der Coronavirus-Pandemie insolvenzreif geworden sind und dennoch Aussichten darauf haben, sich unter Inanspruchnahme staatlicher Hilfsangebote oder auf andere Weise zu sanieren.

 

Gilt nur für überschuldete Unternehmen

 

Diese Verlängerung soll nur für Unternehmen gelten, die infolge der Coronavirus-Pandemie überschuldet sind, ohne zahlungsunfähig zu sein. Denn anders als bei zahlungsunfähigen Unternehmen bestehen bei überschuldeten Unternehmen Chancen, die Insolvenz dauerhaft abzuwenden. Unternehmen, die zahlungsunfähig sind, können dagegen ihre fälligen Verbindlichkeiten bereits nicht mehr bezahlen. Um das erforderliche Vertrauen in den Wirtschaftsverkehr zu erhalten, sollen diese Unternehmen daher nicht in die Verlängerung einbezogen werden.

 

Die Aussetzung der Antragspflicht läuft zum 30. September 2020 aus. Sie soll nun bis zum 31. Dezember 2020 verlängert werden. Der Gesetzentwurf soll nach der heutigen Befassung im Kabinett von den Koalitionsfraktionen in den Bundestag eingebracht und dort zügig behandelt werden.

 

Weiterführende Informationen zum Gesetz erhalten Sie auf der Corona-Themenseite des Bundesjustizministeriums.

 

Was ist eine Formulierungshilfe? Es ist gängige Praxis, dass die Bundesregierung bei der Gesetzgebungstätigkeit des Bundestages Hilfestellung leistet. Dies geschieht in Form von Hintergrundvermerken, durch die mündliche und schriftliche Beantwortung von Fragen einzelner Parlamentarier oder Fraktionen sowie durch die Erarbeitung von Entwürfen einzelner Vorschriften (Regelfall) oder ganzer Regelwerke (Ausnahmefall). Diese Entwürfe werden als Formulierungshilfen bezeichnet. Autor: www.Bundesregierung.de

 

Corona-Krise: Erleichterungen beim Insolvenzrecht geplant

 

(GFD 04/2020) Betriebe, die wegen der Corona-Pandemie zahlungsunfähig werden, müssen nicht mehr innerhalb von drei Wochen Insolvenz anmelden. Das steht im „Corona-Insolvenz-Aussetzungsgesetz“, dem der Bundesrat voraussichtlich Freitag zustimmt. Die Details kennt Ecovis-Rechtsanwältin Stefanie Singer in Regensburg.

 

Wenn Unternehmen bislang nicht innerhalb von drei Wochen nach Zahlungsunfähigkeit einen Insolvenzantrag stellten, wurden sie bestraft. Das galt für Unternehmen ohne persönlich haftende Gesellschafter wie GmbHs oder für GmbH & Co. KGs. Doch das ändert sich jetzt zumindest vorübergehend mit dem Corona-Insolvenz-Aussetzungsgesetz (CorInsAG). „Mit dem Gesetz will die Regierung betroffenen Unternehmen etwas Luft verschaffen“, erläutert Ecovis-Rechtsanwältin Stefanie Singer, „so können sie Zeit überbrücken, bis sie Unterstützungs- und Fördermaßnahmen ausgezahlt bekommen.“ Das Gesetz soll rückwirkend zum 1. März 2020 gelten.

 

Was sich ändert und für die Unternehmen bedeutet

 

Ein aufgrund der Corona-Pandemie zahlungsunfähiges Unternehmen muss momentan keinen Insolvenzantrag stellen. Das gilt erst einmal bis zum 30. September 2020. Während dieses Zeitraums ist es Unternehmen erlaubt, anderen ihr Geld zu zahlen. Damit entfallen auch die Haftungspflichten der Geschäftsführung, die normalerweise gelten. Zudem dürfen Gläubiger aufgrund des CorInsAG keine Insolvenzanträge stellen. Für Gläubigeranträge, die innerhalb von drei Monaten ab Inkrafttreten des CorInsAG gestellt werden, wird vorausgesetzt, dass der Insolvenzgrund bereits am 1. März 2020 vorlag.

 

„Auch wenn die Corona-Pandemie vermutlich viele Unternehmen an den Rand des Abgrunds bringen wird, sind nicht alle anstehenden Insolvenzen auf das Virus zurückzuführen“, weiß Rechtsanwältin Singer. Daher greift das Corona-Insolvenz-Aussetzungsgesetz auch nicht in allen Fällen.

 

Für diese Fälle gilt das CorInsAG nicht:

 

Wenn die Insolvenzreife nicht auf die Ausbreitung des Corona-Virus zurückzuführen ist.

Wenn es nicht absehbar ist, dass die bestehende Zahlungsunfähigkeit beseitigt werden kann.

Wenn das Unternehmen schon vor dem 31. Dezember 2019 zahlungsunfähig war.

 

Was für Kredite, Sicherheiten oder Deckungsgeschäfte gilt

 

Bekommt ein Betrieb bis zum 30. September 2020 Kredite, Gesellschafterdarlehen oder Sicherheiten, dann gilt die Rückzahlung dieser Mittel bis zum 30. September 2023 nicht als Gläubigerbenachteiligung. „Das hilft Unternehmen enorm, weil sie liquide bleiben und die Möglichkeit bleibt erhalten, dass sie weitere Finanzierungen bekommen“, so Singer.

 

Geschäfte, die während des Aussetzungszeitraums abgeschlossen und vertragsgemäß ausgeführt werden, um zum Beispiel lieferfähig zu bleiben (=Deckungsgeschäfte), sollen nicht anfechtbar sein, falls es später doch zu einer Insolvenz kommt. Das gilt auch, wenn Zahlungserleichterungen gewährt werden, Dritte für den Schuldner bezahlen oder bei Umschuldungen. Ist dem Dritten aber bekannt, dass die Sanierungs- und Finanzierungsmaßnahmen des Schuldners nicht geeignet sind, die eingetretene Zahlungsunfähigkeit zu beseitigen, dann bleiben diese Geschäfte wie bisher anfechtbar.

Autor: www.ecovis.com

 

Insolvenzwelle durch Corona

 

(GFD 04/2020) 68 Länder werden dieses Jahr eine Rezession haben. Das globale Wirtschaftswachstum ist mit minus 1,3 Prozent negativ. Der Welthandel bricht um 4,3 Prozent ein. Und die Firmeninsolvenzen steigen weltweit um 25 Prozent, in Deutschland um 11 Prozent. Das erwartet der Kreditversicherer Coface in seinem neuen Ausblick für die Weltwirtschaft im Corona-Jahr 2020.

 

Mit der Corona-Krise wurden alle Prognosen vom Jahresbeginn schlagartig hinfällig. So auch die Insolvenzprognosen von Coface. Im Januar erwartete der internationale Kreditversicherer noch eine moderate weltweite Zunahme um 2 Prozent. Jetzt hat sich diese Zahl mehr als verzehnfacht. Das wäre der stärkste Anstieg seit 2009 (29 Prozent), selbst wenn die Wirtschaft im dritten Quartal wieder langsam anspringen würde. Und ohne eine eventuelle zweite Corona-Welle in der zweiten Jahreshälfte. Coface-Volkwirtin Christiane von Berg konstatiert negative Entwicklungen auf der Produktions- wie auf der Nachfrageseite: "Das schwächt Umsätze, Cashflows und Margen der Unternehmen erheblich. Mit den zu erwartenden Folgen bei den Insolvenzen."

 

Den größten Anstieg der Unternehmensinsolvenzen erwartet Coface in den USA mit plus 39 Prozent. Alle westeuropäischen Länder wären betroffen, zusammen mit plus 18 Prozent. Im Einzelnen sieht Coface eine Steigerung für Deutschland um 11 Prozent, Frankreich um 15 Prozent, Großbritannien um 33 Prozent, Spanien um 22 Prozent und Italien um 18 Prozent. Auch für Japan, das ebenso wie Deutschland zehn Jahre lang sinkende Insolvenzzahlen meldete, wird der Anstieg mit 12 Prozent zweistellig ausfallen. In den Emerging Markets könnten sich die Folgen der Krise noch stärker niederschlagen. Dort wird zusätzlich zum Einbruch des Handels der derzeit stetig sinkende Ölpreis zum Problem. Die Unsicherheit zeigt sich bereits darin, dass sich der Kapitalabfluss gegenüber der Krise 2008 vervierfacht hat. Zudem dürften sich nach Einschätzung von Coface geopolitische Spannungen und Konflikte weiter oder wieder verschärfen.

 

"Insgesamt steht die globale Wirtschaft in diesem Jahr vor ihrer ersten Rezession seit 2009", sagt Christiane von Berg. Der Rückgang dürfte selbst bei einem günstigen Szenario bei 1,3 Prozent liegen, nachdem im Vorjahr noch ein Wachstum um 2,5 Prozent verbucht wurde. 2019 erlebten weltweit 11 Länder eine Rezession, dieses Jahr werden es voraussichtlich 68 Länder sein. In den großen Industrieländern wird das Wachstum in den USA um 2,9 Prozent zurückgehen, in Japan um 1,2 Prozent und in der Eurozone um 6,2 Prozent. Die BIP-Wachstumsprognose für Deutschland lautet bei Coface nun minus 6,7 Prozent. Das ist ein stärkerer Konjunktureinbruch als 2009.

 

Wachstum wird es noch in China und Indien geben, wenn auch verlangsamt. Dies liegt daran, dass diese Emerging Markets aufgrund ihres immensen Aufholpotenzials und ihrer schieren Menge an Arbeitskraft noch immer gute Wachstumschancen haben, selbst bei einem Lockdown. Coface sieht China im laufenden Jahr bei einem Plus um 4,0 Prozent und Indien bei plus 3,5 Prozent. Allerdings sind dies äußerst niedrige Wachstumszahlen für diese Volkswirtschaften.

 

Den Rückgang des globalen Handels beziffert Coface für 2020 auf minus 4,3 Prozent. Es wäre das zweite Jahr in Folge mit einer negativen Wachstumsrate nach minus 0,4 Prozent 2019. Allerdings gilt diese ohnehin niedrige Prognose nur, wenn nicht noch zahlreiche Grenzschließungen den Handel weiter erschweren.

Autor: www.coface.de

 

Januar 2020: 5,4 % weniger Unternehmensinsolvenzen als im Januar 2019

 

(GFD 04/2020) Im Januar 2020 registrierten die deutschen Amtsgerichte 1 609 Unternehmensinsolvenzen. Das waren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) 5,4 % weniger als im Januar 2019. Auch wenn die Zahl der beantragten Unternehmensinsolvenzen zurückgegangen ist, liegen die voraussichtlichen Forderungen der Gläubiger mit 4,0 Milliarden Euro deutlich höher als im Vorjahresmonat: Im Januar 2019 hatten sie bei 1,2 Milliarden Euro gelegen. Dieser Anstieg der Forderungen bei gleichzeitigem Rückgang der Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist darauf zurückzuführen, dass im Januar 2020 mehr wirtschaftlich bedeutende Unternehmen Insolvenz beantragt haben als im Januar 2019.

 

Die meisten Unternehmensinsolvenzen gab es im Januar 2020 mit 275 Fällen (Januar 2019: 300) im Wirtschaftsbereich Handel (einschließlich Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen). Unternehmen des Baugewerbes stellten 247 Insolvenzanträge (Januar 2019: 265). Im Gastgewerbe wurden 185 Insolvenzanträge gemeldet (Januar 2019: 208).

 

Zusätzlich zu den Unternehmensinsolvenzen meldeten 7 386 übrige Schuldner im Januar 2020 Insolvenz an (-4,9 % gegenüber dem Vorjahresmonat). Darunter waren 5 453 Insolvenzanträge von Verbraucherinnen und Verbrauchern und 1 599 Insolvenzanträge von ehemals selbstständig Tätigen, die ein Verbraucher- beziehungsweise ein Regelinsolvenzverfahren durchlaufen.

Autor: www.destatis.de

 

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