Familienunternehmen riskieren, bei ESG das Ziel zu verfehlen - PwC-Studie zu Familienunternehmen

 

(GFD 2/2021) In einem Jahr, in dem die Wirtschaft die Art und Weise, wie sie die Bedürfnisse der Gesellschaft und der Umwelt erfüllt, umgestalten musste, laufen Familienunternehmen Gefahr, ins Hintertreffen zu geraten, so das Ergebnis einer neuen globalen Umfrage unter 2.801 Familienunternehmern.

 

Während mehr als die Hälfte (55 %) der Befragten das Potenzial für ihr Unternehmen sahen, in Sachen Nachhaltigkeit führend zu sein, haben nur 37 % eine definierte Strategie. Europäische und amerikanische Unternehmen hinken ihren asiatischen Kollegen hinterher, wenn es darum geht, der Nachhaltigkeit in ihrer Strategie Priorität einzuräumen. 79 % der Befragten auf dem chinesischen Festland und 78 % in Japan gaben an, "Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt unseres Handelns zu stellen", verglichen mit 23 % in den USA und 39 % in Großbritannien. Größere Unternehmen und solche, die sich im Besitz späterer Generationen befinden, gehen ebenfalls gegen den Trend und setzen verstärkt auf Nachhaltigkeit.

 

Diese Zurückhaltung gegenüber der Nachhaltigkeit kommt trotz der Tatsache, dass Familienunternehmen mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft sehen. Über 80 % engagieren sich proaktiv im Bereich der sozialen Verantwortung, und 71 % versuchten, so viele Mitarbeiter wie möglich während der Pandemie zu halten. Es ist auch keine Funktion des wirtschaftlichen Pessimismus - weniger als die Hälfte (46 %) erwartet trotz der Pandemie einen Umsatzrückgang, und die Befragten waren optimistisch, dass ihr Unternehmen in den Jahren 2021 und 2022 widerstandsfähig sein und weiterwachsen wird.

 

Stattdessen geht es um eine zunehmend veraltete Vorstellung davon, wie Unternehmen auf die Gesellschaft reagieren sollten. 76 % in den USA und 60 % in Großbritannien legen mehr Wert auf ihren direkten Beitrag, oft durch philanthropische Initiativen, als durch einen strategischen Ansatz zu ESG-Themen. Familienunternehmen sind auch etwas isoliert von dem Druck der Investoren, der Aktiengesellschaften derzeit dazu drängt, ESG in den Mittelpunkt ihrer langfristigen Pläne für den wirtschaftlichen Erfolg zu stellen.

 

Peter Englisch, Global Family Business Leader bei PwC, sagt: 

"Es ist klar, dass Familienunternehmen weltweit ein starkes Engagement für einen größeren sozialen Zweck haben. Aber es gibt einen wachsenden Druck von Kunden, Kreditgebern, Aktionären und sogar Mitarbeitern, eine sinnvolle Wirkung in Bezug auf Nachhaltigkeit und weitere ESG-Themen zu demonstrieren. Viele börsennotierte Unternehmen haben begonnen zu reagieren, aber diese Umfrage zeigt, dass Familienunternehmen einen traditionelleren Ansatz für soziale Beiträge haben.

 

Familienunternehmen müssen sich an die sich ändernden Erwartungen anpassen und schaffen, wenn sie dies nicht tun, ein potenzielles Geschäftsrisiko. Dabei geht es nicht nur um die Verpflichtung, Gutes zu tun, sondern um die Festlegung sinnvoller Ziele und Berichte, die ein klares Gespür für ihre Werte und ihren Zweck zeigen, wenn es darum geht, Volkswirtschaften und Gesellschaften beim besseren Aufbau zu helfen."

 

Wachstum

 

Die Umfrage zeigt, dass Familienunternehmen die Pandemie relativ gut überstanden haben. Weniger als die Hälfte (46 %) erwartet trotz der Pandemie einen Umsatzrückgang, und die Befragten waren optimistisch, dass ihr Unternehmen in den Jahren 2021 und 2022 widerstandsfähig sein und weiterwachsen wird.

 

Familienunternehmen hinken bei der digitalen Transformation hinterher

 

Auch wenn sich 80 % der Familienunternehmen an die Herausforderungen der COVID-19-Pandemie angepasst haben, indem sie ihren Mitarbeitern Heimarbeit ermöglichen, gibt es auch Bedenken hinsichtlich ihrer allgemeinen Stärke, wenn es um die digitale Transformation geht.

 

62 % der Befragten beschrieben ihre digitalen Fähigkeiten als "nicht stark", weitere 19 % als "in der Entwicklung begriffen".

 

Doch hier gibt es deutliche Generationsunterschiede: 41 % der Unternehmen, die sich selbst als digital stark bezeichnen, gehören der 3. oder 4. Generation an, und die Next Gens haben in 46 % der digital starken Unternehmen eine größere Rolle übernommen.

 

Peter Englisch sagt:

"Es ist besorgniserregend, dass die Familienunternehmen hinter der Kurve zurückbleiben. Es gibt klare Belege dafür, dass starke digitale Fähigkeiten Agilität und Erfolg ermöglichen und dass sie eine ähnliche Begeisterung für Nachhaltigkeit haben.

 

Unternehmen sollten überlegen, wie sie die Erfahrung und die frischen Erkenntnisse der Next Gens nutzen können, wenn es darum geht, ihre digitale Reise zu priorisieren."

 

Die Governance-Lücke

 

Während Familienunternehmen über ein gutes Maß an Vertrauen, Transparenz und Kommunikation berichten, unterstreicht die Umfrage die Vorteile einer professionellen Führungsstruktur. Während 79 % sagen, dass sie irgendeine Form von Governance-Verfahren oder -Richtlinien haben, fallen die Zahlen dramatisch, wenn es um wichtige Bereiche geht: etwas mehr als ein Viertel gibt an, dass sie eine Familienverfassung oder ein Protokoll haben, während nur 15 % Konfliktlösungsmechanismen etabliert haben.

 

Peter Englisch sagt:

"Familienharmonie sollte niemals als selbstverständlich angesehen werden - sie ist etwas, an dem gearbeitet und für das geplant werden muss, mit dem gleichen Fokus und der gleichen Professionalität, die auf die Geschäftsstrategie und die operativen Entscheidungen angewendet wird.

 

Die Aufsichtsbehörden auf der ganzen Welt sind zunehmend besorgt über die Nachfolge in Familienunternehmen, zumal ein Drittel der Unternehmen der ersten, zweiten oder dritten Generation erwartet, dass die nächste Generation in den nächsten fünf Jahren Mehrheitsaktionär wird.

 

Es ist daher von entscheidender Bedeutung, dass Unternehmen eine Führungsrolle übernehmen und sicherstellen, dass sie über formale Prozesse verfügen, mit denen sie langfristig Stabilität und Kontinuität gewährleisten können." Autor: www.pwc.com

 

BGH entscheidet zugunsten von GmbH-Geschäftsführern

 

Managerhaftpflichtversicherung deckt auch Inanspruchnahme für Zahlungen nach Insolvenzreife

 

(GFD 02/2021) Der Bundesgerichtshof (BGH) hat vor kurzem ein wegweisendes Urteil gefällt: Danach schützt die Managerhaftpflichtversicherung auch, wenn Geschäftsführer für Zahlungen in Anspruch genommen werden, die diese nach Eintritt der Zahlungsunfähigkeit oder nach Feststellung einer Überschuldung geleistet haben. Über die Entgegenstellung des BGHs der bisherigen Rechtsprechung informiert die Düsseldorfer Sozietät Ganteführer, Teil von HLB Deutschland.

 

Im Nachgang einer Unternehmensinsolvenz werden Geschäftsführer regelmäßig von Insolvenzverwaltern auf Erstattung nach Insolvenzreife veranlasster Zahlungen in Anspruch genommen. Grundlage dafür ist § 64 GmbHG, der Auszahlungen nach Eintritt der Insolvenzreife verbietet und bei Zuwiderhandlung eine Ersatzpflicht des verantwortlichen Geschäftsführers vorsieht. Zu solchen Auszahlungen kann es schnell kommen – zumal in Krisensituationen. Ausreichen kann es bereits, wenn Kunden Gelder auf einem debitorischen Konto einzahlen, so eine Entscheidung des BGH vom 26.01.2016 (Az. II ZR 394/13). „Auch bei mittelständischen Unternehmen kommen so schnell Millionenbeträge zusammen, was für die betroffenen Geschäftsführer existenzbedrohend sein kann“, warnt Rechtsanwalt Dr. Marius Klotz.

 

In besonderem Maße galt dies, nachdem sich in der Rechtsprechung die Auffassung durchgesetzt hatte, dass Ansprüche des Insolvenzverwalters aus § 64 GmbHG nicht von der Managerhaftpflichtversicherung, der sogenannten D&O-Versicherung, gedeckt seien. Das OLG Düsseldorf hatte diese Auffassung mit Urteil vom 26.06.2020 (Az.: 4 U 134/18) noch einmal bekräftigt. Seine Begründung: Bei dem Anspruch auf § 64 GmbHG handle es sich nicht um einen Schadensersatzanspruch, sondern um einen „Ersatzanspruch eigener Art“, der nicht unter den Versicherungsschutz der D&O-Versicherung fällt.

 

Dieser zu Recht als „spitzfindig“ kritisierten Rechtsprechung hat der BGH nun eine Absage erteilt. Die Reichweite des Versicherungsschutzes sei aus Sicht einer durchschnittlich verständigen Person zu beurteilen. Auch einem kaufmännisch erfahrenen Geschäftsführer sei der Unterschied zwischen einem Schadensersatzanspruch und einem „Ersatzanspruch eigener Art“ nicht ersichtlich. Vielmehr wähne er sich aufgrund der D&O-Versicherung in seinem Handeln gegenüber dem Unternehmen umfassend geschützt.

 

„Für künftige Haftungsprozesse gegen Geschäftsführer und Vorstände im Kontext einer Unternehmensinsolvenz ist die Entscheidung des BGH von außerordentlicher Bedeutung“, sagt Dr. Klotz. Zwar hatten D&O-Versicherungen auf die Rechtsprechung des OLG Düsseldorf hin in einigen D&O-Policen bereits klargestellt, dass der Versicherungsschutz auch Ansprüche aus § 64 GmbHG umfasst. In vielen Policen ist dies jedoch (noch) nicht geschehen. Betroffene Geschäftsführer hatten daher im Fall einer Inanspruchnahme nach § 64 GmbHG gegenüber der Versicherung einen schweren Stand. Die Position der Geschäftsführer ist nun vom BGH gestärkt worden, sicherlich zum Unmut der D&O-Versicherer, die auf Grund der derzeitigen Pandemie, eine Pleitewelle und damit verbunden eine vermehrte Inanspruchnahme von Geschäftsführern befürchten. Autor: www.hlb-deutschland.de

 

Kostenlose FFP2-Masken vom Arbeitgeber: Ist das ein geldwerter Vorteil?

 

(GFD 01/2021) Viele Arbeitgeber wollen ihre Mitarbeiter vor Corona schützen. Daher kaufen sie ihnen FFP2-Masken. Müssen Mitarbeiter das als geldwerten Vorteil versteuern? Und was gilt für Arbeitgeber? Ecovis-Steuerberater Mathias Parbs in Rostock kennt die Details.

 

Kein Arbeitslohn bei überwiegend betrieblichem Interesse

 

Bekommen Arbeitnehmer von ihren Chefs Masken geschenkt, „kann man das theoretisch als geldwerten Vorteil betrachten“, sagt Ecovis-Steuerberater Mathias Parbs. Kaufen Chefs die Masken hauptsächlich aus betrieblichem Interesse, dann ist das kein geldwerter Vorteil. „Das Masken-Geschenk vom Chef ist dann kein Arbeitslohn und muss auch nicht versteuert werden“, sagt Parbs.

 

Welche Kriterien gibt es für ein überwiegend betriebliches Interesse?

 

Stellt der Arbeitgeber allen Mitarbeitern ein Paket mit FFP2-Masken zur Verfügung, die sie auch bei der Arbeit tragen sollen, „dann kann darin kein Arbeitslohn liegen“, sagt Steuerberater Parbs, „auch wenn die Mitarbeiter die Masken privat nutzen, bleibt es dabei.“

Wenn es sich um eine Vorsichtsmaßnahme handelt, die Mitarbeiter wie Betrieb schützen und verhindern soll, dass das Coronavirus den Betrieb lahmlegt, handelt der Arbeitgeber im eigenbetrieblichen Interesse. Für die lohnsteuerliche Bewertung spielt in diesem Fall die private Nutzung keine Rolle. „Arbeitgeber, die auf Nummer sicher gehen wollen, drucken ihr Logo auf die Maske und dokumentieren so das betriebliche Interesse“, rät Parbs.

 

Belohnungen sind Arbeitslohn und damit steuer- und sozialversicherungspflichtig

 

Etwas anderes gilt, sobald die Zuwendung eine Belohnung ist. Schenkt der Arbeitgeber seinem Angestellten hochpreisige Masken mit dem Motiv seines Lieblingsfußballvereins oder seiner Lieblingsband, unterstellt die Finanzverwaltung eine Belohnung. Dann handelt es sich grundsätzlich um steuer- und sozialversicherungspflichtigen Arbeitslohn. „Weil die FFP2-Masken jedoch mehr schützen als die klassischen Masken, liegt kein Belohnungscharakter vor“, sagt Parbs. Eine Hintertür sieht er jedoch: „Sofern der Arbeitgeber die monatliche 44 Euro-Freigrenze noch nicht nutzt, können Arbeitgeber auch Masken mit Belohnungscharakter bis zu diesem Betrag steuer- und sozialversicherungsfrei zur Verfügung stellen.“

 

Betriebsausgabe für den Arbeitgeber

 

Kauft ein Arbeitgeber FFP2-Masken für seine Mitarbeiter, kann er die Kosten dafür als Betriebsausgaben abziehen. Dies gilt unabhängig davon, ob ein geldwerter Vorteil beim Arbeitnehmer unterstellt wird oder nicht.

 

Keine Werbungskosten für den Arbeitnehmer

 

Kaufen sich Arbeitnehmer die Schutzmasken selbst, können sie die Kosten dafür nicht in ihrer Steuererklärung geltend machen. „Wegen der privaten Mitnutzung nennt das Steuerrecht das gemischt, also beruflich und privat veranlasste Aufwendungen“, sagt Parbs. Diese lassen sich schlecht vernünftig zuordnen. Deshalb dürfen Arbeitnehmer sie nicht als Werbungskosten in der Steuererklärung geltend machen. „Für die Masken gibt es derzeit auch keinen Sonderausgabenabzug“, sagt Ecovis-Steuerberater Parbs. Autor: www.ecovis.com

 

Unternehmensgewinne: Das goldene Zeitalter der Profitabilität geht zu Ende

 

(GFD 01/2021) In den vergangenen drei Dekaden kannten die Gewinne zahlreicher Unternehmen weltweit nur eine Richtung: nach oben. Mit im Schnitt jährlich 7 Prozent sind sie fast doppelt so stark gewachsen wie das Bruttoinlandsprodukt vieler Industriestaaten (Abbildung). Doch diese goldene Ära neigt sich dem Ende zu. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie "Peak Profits" der internationalen Unternehmensberatung Bain & Company und des Marktforschungsinstituts Oxford Economics. Sie basiert auf Profitabilitätsanalysen von 13.000 börsennotierten Unternehmen in 26 Ländern, in denen mit 72 Prozent der Großteil aller weltweiten Gewinne erwirtschaftet wird. Dazu zählen auch Deutschland, Österreich und die Schweiz.

 

Druck auf die Gewinne bleibt

 

Bereits vor der Corona-Krise haben sich in der industrialisierten Welt sinkende Wachstumsraten angedeutet. Der Profitgipfel schien erreicht. Die globale Rezession infolge der Pandemie könnte diesen Trend noch einmal verstärken. Etliche Unternehmen müssen derzeit massive Gewinneinbrüche oder sogar Verluste verkraften. Und das könnte länger so bleiben. "Selbst wenn sich die Weltwirtschaft schnell wieder erholen sollte, der Druck auf die Unternehmensgewinne ändert sich nicht", erklärt Bain-Deutschlandchef Walter Sinn. "Die Historie zeigt, dass schleichende Langfristtrends in Krisen innerhalb kürzester Zeit durchschlagende Wirkung haben und sich entsprechende Entwicklungen in dieser Zeit beschleunigen können."

 

Für die rückläufige Gewinnentwicklung sind zwei Faktoren ausschlaggebend. Zum einen gibt es schon seit einigen Jahren eine Gegenbewegung zur Globalisierung. Angesichts zunehmender Handelskonflikte organisieren Unternehmen ihre Lieferketten neu und setzen nicht mehr nur auf die weltweit günstigsten Zulieferer. Dass mehr lokal beziehungsweise regional produziert wird, drückt auf die Margen. Zum anderen verändert der demografische Wandel die Arbeitsmärkte. Nach dem Überangebot von Arbeitskräften zu Zeiten der Babyboomer mangelt es zunehmend an Fachkräften. Daran wird auch der Corona-Schock nur bedingt etwas ändern. Da künftig in vielen Branchen qualifiziertes Personal fehlt, werden die Einkommen tendenziell steigen. Dies geht zulasten der Unternehmensgewinne.

 

Die Großen legen zu, die Kleinen verlieren

 

Automatisierung und Digitalisierung wirken der sinkenden Profitabilität zwar entgegen, doch es sind in erster Linie die größten und agilsten Unternehmen, die die Vorteile des technischen Fortschritts nutzen. In den 1980er-Jahren erzielten börsennotierte US-Firmen mit weniger als einer Milliarde US-Dollar Umsatz im Schnitt eine Eigenkapitalrendite von 11 Prozent. Zuletzt waren es lediglich 5,1 Prozent. Dagegen stieg die Eigenkapitalrendite von Konzernen mit mehr als 25 Milliarden US-Dollar Umsatz von 14,6 auf 21,2 Prozent.

 

Insgesamt nahm die durchschnittliche Profitabilität aller untersuchten Unternehmen seit 1990 zwar beständig zu, wie das Beispiel der USA zeigt. Doch während insbesondere die großen Konzerne ihre Finanzkraft stärkten, nahm diese bei vielen kleinen und mittleren Firmen immer weiter ab. "Die Corona-Krise wird verheerende Folgen für die hoch verschuldeten Unternehmen haben", betont Sinn. "Sie werden entweder aufgekauft oder liquidiert. Oder sie überleben als 'Zombie-Firmen', denen die Banken die Kredite verlängern, um ihre Bilanzen nicht mit hohen Abschreibungen zu belasten."

 

Europäische Unternehmen fallen zurück

 

Besonders stark leiden Europas Unternehmen unter rückläufiger Profitabilität. Gewinnsteigerungen beruhten zuletzt weitgehend auf der Einführung des Euros und der wirtschaftlichen Zusammenarbeit in der Europäischen Union. Ihre Wettbewerbsfähigkeit konnten Unternehmen indes kaum steigern - speziell in Randstaaten wie Irland, Griechenland, Italien oder Spanien. Dort taten unter anderem der forcierte Abbau von Staatsschulden und die wirtschaftliche Stagnation ihr Übriges. In Italien sank die Eigenkapitalrendite börsennotierter Unternehmen in der letzten Dekade von 13,5 auf 5,5 Prozent, in Spanien von 21,3 auf 8,2 Prozent.

 

Auch in Deutschland hinkt die Gewinnentwicklung hinter dem Wachstum her. Während die heimische Wirtschaft 2018 insgesamt 22 Prozent der Wirtschaftskraft der europäischen Industriestaaten generierte, erzielte sie nur 18 Prozent der Gewinne. Die Eigenkapitalrendite hält sich seit Jahren relativ stabil bei etwas über 12 Prozent. Die Schweiz hingegen, die 4 Prozent zu Europas Bruttoinlandsprodukt beiträgt, erwirtschaftete 2018 mit 7 Prozent einen überproportional großen Anteil der Gewinne in Europa. Besonders die schweizerischen Kommunikations- und Gesundheitsunternehmen erzielten im Schnitt der der letzten Dekade mit mehr als 30 Prozent überdurchschnittliche Margen.

 

Schwäche bei neuen Technologien

 

Im Tech-Sektor sowie bei den Internetplattformen ist der Rückstand der Europäer gegenüber den USA und China besonders auffällig. Die Branchengiganten in diesen Ländern erzielen sehr hohe Margen. Strengt sich die europäische Wirtschaft nicht gewaltig an, wird sie in puncto Profitabilität noch weiter zurückfallen. Schon jetzt liegt der Anteil Europas an den weltweit generierten Unternehmensgewinnen bei lediglich 21 Prozent. Im Jahr 2000 belief er sich noch auf 40 Prozent, was der Region damals den Spitzenplatz sicherte.

 

Deutschland mit seiner Stärke in Industrie und Technologie steht zumindest im europäischen Vergleich recht gut da. Das verarbeitende Gewerbe erzielte zwischen 2010 und 2018 mit 15,5 Prozent Eigenkapitalrendite überdurchschnittlich gute Ergebnisse. Der Tech-Sektor lag mit 26,4 Prozent sogar um ein Drittel über dem europäischen Branchenmittel.

 

Überzeugende Langfriststrategie ausarbeiten

 

"Trotz des schwieriger werdenden Umfelds können Unternehmen auskömmliche Margen erwirtschaften", ist Bain-Experte Sinn überzeugt. Denn ein Großteil der Profitabilitätsunterschiede lasse sich auf individuelle Gegebenheiten in einer Firma oder Branche zurückführen. Dagegen könne das Management angehen, zum Beispiel Wettbewerbsvorteile herausarbeiten oder das Geschäft ausbauen, sei es organisch oder anorganisch.

 

In einer Rezession einfach nur die Kosten zu senken führt nicht zum Erfolg. Aus Sicht von Sinn ist in turbulenten Zeiten der dauerhaften Stabilisierung des Unternehmens mehr Bedeutung einzuräumen als Quartalszahlen. Bains Deutschlandchef konstatiert: "Firmenlenker brauchen eine Langfriststrategie, in der die nachhaltig profitable Entwicklung des Unternehmens und dessen Nutzen für die Gesellschaft im Vordergrund stehen. Und die muss die Investoren überzeugen." Autor: www.bain.de

 

Mittelstand im Mittelalter - Auswertung der Top 500 Familienunternehmen zeigt: Nur 68 von der Top-500 haben eine Frau in der Führung

 

(GFD 12/2020) Familienunternehmen unterliegen nicht der kürzlich von der Bundesregierung beschlossenen Frauenquote. Denn die wenigsten sind börsennotiert oder mitbestimmt. "Die Quote ist ein richtiges Signal, obwohl sie nicht an den Kern des Problems geht, sondern nur Symptome behandelt. Mit der geringen Attraktivität der MINT-Fächer bleibt ein großes strukturelles Problem. Bei vielen anderen Ursachen, wie der unzureichenden Individualisierung von Arbeitszeitmodellen und der schwierigen Vereinbarkeit von Familie und Beruf, können jedoch insbesondere auch die Familienunternehmen vorangehen und von sich aus zeigen, dass es bessere Wege als die Quote gibt, dem wichtigen Ziel der erhöhten Diversität in Führungsgremien nachzukommen."

 

Denn Handlungsbedarf besteht hier genauso. Die Ergebnisse der aktuellen Untersuchung sind eindeutig, und leider vernichtend: Lediglich 13,6 Prozent der Top-500 -Familienunternehmen haben mindestens eine Frau in der operativen Führung. Anders gesagt: 432 der 500 größten Familienunternehmen haben eine rein mit Männern besetzte Geschäftsführung bzw. einen rein männlichen Vorstand.

 

"Es gibt jedoch die begründete Aussicht darauf, dass sich an diesem Ungleichgewicht in den kommenden Jahren etwas ändert" sagt Dr. Dominik von Au und stützt sich dabei auf die globale NextGen-Studie 2019 von PwC, an der nahezu 1.000 NextGens (darunter ein Drittel Frauen) teilnahmen. "Es zieht die weiblichen Nachfolger in Familienunternehmen immer stärker in die Verantwortung", so von Au. Ob Frau oder Mann, rund 81 Prozent von ihnen streben grundsätzlich eine - wie auch immer ausgekleidete - führende Rolle im Familienunternehmen an. Das gilt für die globale Auswertung, aber auch für die Befragung unter deutschen NextGens.

 

Auffällig ist aber auch, dass weibliche NextGens in Familienunternehmen sich weniger häufig als ihre männlichen Kollegen in der CEO-Rolle sehen. Mit Blick auf die kommenden Jahre wollen nach der PwC/INTES-Untersuchung über 70 Prozent der männlichen NextGens ganz konkret in eine CEO-Position, aber nur rund 30 Prozent der weiblichen. Sie übernehmen anders Verantwortung und sehen sich tendenziell eher in der Rolle der aktiven Gesellschafterin mit einer Position im Aufsichtsgremium. Dominik von Au erklärt: "Die weiblichen NextGens, die in solche Aufsichtsgremien aufrücken, sollten ihre starke Position in diesen Gremien nutzen, um auf eine höhere Diversität in der Geschäftsführung hinzuwirken".

 

Er ist überzeugt: "Die NextGen kann der treibende Faktor für Veränderung sein. Denn die Nachfolgerinnen und Nachfolger besitzen die Fähigkeit zur schonungslosen Selbsterkenntnis und den Mut, in der Vergangenheit Bewährtes in Frage zu stellen und die notwendigen Veränderungen gegen Widerstände durchzusetzen. Sie hat in meinen Augen längst verstanden, dass es ohne Diversität keine Zukunft gibt". Autor: www.intes-akademie.de

 

Wann Social Media für CEOs Sinn macht und wann nicht

 

(GFD 12/2020) Chefs der DAX-30-Unternehmen freunden sich nur zaghaft mit Social Media an. Noch wichtiger als ihre Präsenz sei die Spur, die sie in den neuen Kanälen hinterlassen, sagen die Beratungen Kearney und Egon Zehnder in einer gemeinsamen Studie. Sie machen fünf Stufen des Corporate Influencers aus und raten Unternehmensführerinnen und -führern, "ganz oder gar nicht" aktiv zu werden.

 

Der Analyse zufolge posten immer mehr CEOs über geschäftsbezogene Informationen hinaus. Etliche Beiträge im Untersuchungszeitraum widmen sich in persönlicher Weise gesellschaftlich relevanten Themen. "Wer nur lautlos oder als Verstärker des hauseigenen Marketings unterwegs ist, verkauft sich und seine Organisation unter Wert", so Dr. Mirko Warschun von Kearney. Warschun verweist auf das LinkedIn-Profil von VW-Chef Herbert Diess, das mit fast 120.000 Followern die größte Anhängerschaft eines DAX-30-CEOs in sozialen Medien aufweist. Diess begleitete die Vorstellung eines neuen VW-Modells mit einem Bericht aus seinem Italien-Urlaub. "Solche Inhalte hinterlassen in sozialen Medien ungleich mehr Eindruck als das beiläufige Teilen von Pressemitteilungen oder Unternehmensposts", sagt Mirko Warschun.

 

Rolle von Top-Managerinnen und -Managern wandelt sich

 

"Viele Unternehmenslenkerinnen und -lenker haben erkannt, dass sie sich in sozialen Medien nahbar und authentisch zeigen können", so Dr. Michael Meier von Egon Zehnder, und damit "Stakeholder-Management im besten Sinne" leisten. Die Zeit des Corporate Soldiers sei ohnehin vorbei. Zugleich helfe Social Media den Unternehmenslenkerinnen und -lenkern dabei, sich von "ihrer menschlichen Seite" zu zeigen und gerade damit ihrer sich ändernden Rolle in der Welt gerecht zu werden. "Wer heute an der Spitze eines global agierenden Unternehmens steht, hat mehr denn je die Chance, eine ganzheitiliche Botschaft seines Unternehmens persönlich zu kommunizieren", sagt Michael Meier. Gegenüber Aktionärinnen und Aktionären, Investorinnen und Investoren, NGOs und eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern müssten Unternehmenschefinnen und -chefs mehr denn je belegen, dass sie ihre Geschäftsmodelle in Richtung Nachhaltigkeit und gesellschaftlicher Verantwortung entwickeln - und dabei "offen kommunizieren und Lernbereitschaft demonstrieren". Den CEOs komme dabei eine wachsende Bedeutung als Mittelspersonen zwischen Unternehmen und Gesellschaft zu.

 

Laut der Studie von Egon Zehnder und Kearney nutzen die DAX-30-Chefs besonders häufig LinkedIn. 16 der 30 CEOs haben sich dort registriert, und 13 von ihnen haben im Untersuchungszeitraum mindestens einen Beitrag gepostet. Gefolgt wird LinkedIn von Twitter. Auf dem Kurznachrichtendienst sind sieben DAX-CEOs angemeldet. Ein Profil bei Xing haben lediglich vier der 30 DAX-Chefs.

 

Eine Frage des Tons - und des Charakters

 

Wie glaubwürdig ein Profil wirkt, hängt den Herausgebern der Studie zufolge vor allem von zwei Faktoren ab. "Die persönlichen Botschaften der oder des CEO sollten sich mit den Unternehmenswerten decken", sagt Mirko Warschun. Es gehe beispielsweise nicht darum, beliebige Ereignisse und Entwicklungen in Politik und Gesellschaft zu kommentieren. Vielmehr solle ein klarer Bezug zum Unternehmen erkennbar bleiben. "Darüber hinaus muss das Profil in Tonfall und Charakter zur Persönlichkeit der oder des CEO passen. Wenn die Botschaften allzu offensichtlich von Ghostwritern stammen, gerät der Social-Media-Auftritt zur Karikatur." Die Studienautoren empfehlen jenen CEOs, die sich mit sozialen Medien nicht anfreunden können, besser nicht als halbherzig aktiv zu sein.

 

Über die Studie

 

Die Studie "CXOs als Corporate Influencer" widmet sich den Social-Media-Auftritten von CXOs aus größeren deutschen Unternehmen. Untersucht wurden unter anderem die Profile der CEOs aller DAX-30-Mitglieder. Die Personalberatung Egon Zehnder und die Unternehmensberatung Kearney haben die Studie im Oktober 2020 durchgeführt. Autor: www.kearney.com

 

Fast jedes zweite Unternehmen in Deutschland will perspektivisch klimaneutral werden

 

(GFD 12/2020) Große Teile der Wirtschaft beschäftigen sich mit dem Klimawandel und der Notwendigkeit zu nachhaltigem Handeln. So haben sich 46 Prozent der Unternehmen in Deutschland eine freiwillige Selbstverpflichtung auferlegt, nach der sie zu einem bestimmten Zeitpunkt klimaneutral sein wollen. Viele dieser Unternehmen wollen dazu digitale Technologien einsetzen und mit ihrer Hilfe effizienter, ressourcenschonender und klimaverträglicher wirtschaften. Gut jedes fünfte der Unternehmen (22 Prozent), die eine Klimaneutralität planen, will dieses Ziel bereits innerhalb der nächsten fünf Jahre erreichen. 50 Prozent der Unternehmen, die klimaneutral werden wollen, haben sich dies für die nachfolgende 5-Jahres-Scheibe von 2026 bis 2030 vorgenommen. 10 Prozent möchten nach 2030, aber bis 2040 komplett klimaneutral werden und weitere 14 Prozent nach 2040, aber spätestens bis zum Jahr 2050. Das ist das Ergebnis einer Studie im Auftrag des Digitalverbands Bitkom unter mehr als 750 Unternehmen in Deutschland mit 20 oder mehr Mitarbeitern. Die Untersuchung ist repräsentativ und wurde im Vorfeld des an diesem Montag beginnenden Digitalgipfels durchgeführt, der sich mit den Schwerpunktthemen Digitalisierung und Nachhaltigkeit befasst. Demnach wollen weitere 27 Prozent aller Unternehmen ihren CO2-Ausstoß zwar reduzieren – streben dabei jedoch keine komplette Klimaneutralität an. 17 Prozent haben eine CO2-Senkung derzeit nicht konkret geplant,  planen dies allerdings für die Zukunft. „Sehr viele Unternehmen haben sich schon ganz konkret damit befasst, wie sie ihren CO2-Ausstoß senken können“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. „Teile der Wirtschaft verordnen sich sogar freiwillig Klimaziele, die sehr viel ehrgeiziger sind als die Vorgaben der Politik. Diese Bemühungen sollten weiter gefördert werden, etwa durch Anreize für Investitionen in klimaschonende Technologien.“

 

Digitale Technologien können maßgeblich dazu beitragen, den CO2-Ausstoß zu senken. Bei einer konsequenten und beschleunigten Digitalisierung in der industriellen Fertigung und der Mobilität, von Gebäuden und Arbeitsplätzen kann der CO2-Ausstoß im Jahr 2030 verglichen mit 2019 um 120 Millionen Tonnen reduziert werden. Das entspricht fast der Hälfte der notwendigen Einsparungen von 262 Millionen Tonnen, die Deutschland für sein selbst gestecktes Klimaziel im Jahr 2030 erreichen muss. Das ist das Resultat der Bitkom-Studie „Klimaeffekte der Digitalisierung“, die anlässlich des Digitalgipfels vorgestellt wurde. „Schon jetzt verfügen wir über die notwendigen Technologien, um den CO2-Ausstoß schnell und effektiv zu senken“, betont Berg. „Je schneller wir sie einsetzen, desto mehr CO2 können wir künftig einsparen.“

 

Die Unternehmen in Deutschland setzen beim Thema Klimaschutz große Hoffnungen auf die Digitalwirtschaft. So sagen 86 Prozent, Digitalunternehmen sollten eine Vorreiterrolle im Kampf gegen den Klimawandel einnehmen. 79 Prozent meinen, Digitalunternehmen sollten ihren Einfluss nutzen, um Klimaschutz zu fördern. Mehr als 9 von 10 Unternehmen (91 Prozent) wünschen sich, dass die Ausbildung von IT-Fachkräften künftig auch Klima- und Nachhaltigkeitsaspekte beinhaltet. „Die Digitalunternehmen werden sich in Deutschland gemeinsam dafür stark machen, schnell nachhaltige digitale Lösungen in die Fläche zu bringen“, betont Berg. „Es ist gut und richtig, dass das Thema Nachhaltigkeit beim diesjährigen Digitalgipfel im Mittelpunkt steht.“

 

Hinweis zur Methodik: Grundlage der Angaben ist: 1. Die Bitkom-Studie „Klimaeffekte der Digitalisierung“, die von Accenture durchgeführt wurde.  2. Eine Umfrage, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom von Mitte September bis Ende Oktober 2020 durchgeführt hat. Dabei wurden 753 Unternehmen ab 20 Mitarbeitern befragt. Die Umfrage ist repräsentativ. Die Fragen lauteten: „Gibt es in Ihrem Unternehmen eine freiwillige Selbstverpflichtung zur Reduzierung des CO2-Fußabdrucks?“, „Bis wann möchte Ihr Unternehmen laut freiwilliger Selbstverpflichtung komplett klimaneutral sein?“ und „Welchen Aussagen in Bezug auf den Klimawandel und die Digitalisierung stimmen Sie zu bzw. nicht zu?“ Autor: www.bitkom.org

 

Digitalbilanz 2020: Jedes dritte Unternehmen hält sich selbst für rückständig

 

(GFD 12/2020) 32 Prozent der Unternehmen in Deutschland sehen sich bei der Digitalisierung im Rückstand. Als Vorreiter stufen sich dagegen 16 Prozent ein. Vor allem die Entscheider von Finanzdienstleistern sehen Aufholbedarf des eigenen Unternehmens im internationalen Digitalisierungswettbewerb. In der verarbeitenden Industrie fällt die Bilanz dagegen positiver aus. Das ergibt die Studie Potenzialanalyse Reality Check Digitalisierung von Sopra Steria und dem F.A.Z.-Institut.

 

Den Rückstand beim Thema Digitalisierung machen die befragten Manager an unterschiedlichen Stellen fest. In 35 Prozent der Unternehmen fehlt immer noch eine Strategie, um Geschäft, Prozesse und Organisation zu digitalisieren. Vielfach reiht sich Projekt an Projekt, ohne dass die Vorhaben ineinandergreifen. Jeder zweite Entscheider sieht deshalb die Projektvielfalt als einen entscheidenden Grund für den Rückstand im eigenen Unternehmen. „Die Analyse der Ergebnisse zeigt, dass Unternehmen vor allem Schwierigkeiten haben, einen roten Faden für ihre Digitalisierungsmaßnahmen zu entwickeln, oder diesen nicht konsequent durchhalten. Die Folge ist dann häufig, dass sich Unternehmen verzetteln, sich der Umbau verzögert oder gewünschte Ergebnisse wie mehr Effizienz ausbleiben“, sagt Frédéric Munch, Mitglied der Geschäftsleitung von Sopra Steria und Leiter der Managementberatungssparte Sopra Steria Next.

 

Viele Unternehmen sind zudem nach der Einführung von Standardsoftware – 61 Prozent der Unternehmen haben ihre alten IT-Systeme bislang flächendeckend modernisiert – nicht viel weitergekommen mit dem digitalen Umbruch. Jedes fünfte Unternehmen hat das Kapitel Standardisierung und Automatisierung von Abläufen für sich abgeschlossen. Jedes zweite befindet sich derzeit tief in der Umsetzung. Ähnlich weit sind die Unternehmen bei der unternehmensübergreifenden Einführung agiler Arbeits- und Führungsmethoden und der Verlagerung der IT-Infrastruktur in Cloud-Computing-Umgebungen.

 

Die Mehrheit der Unternehmen ist aufgrund der vielen Baustellen noch weit davon entfernt, ihre Geschäftsmodelle komplett zu überdenken und digitales Geschäft als ihr Kerngeschäft zu betrachten. Zwölf Prozent der befragten Entscheider würden hinter diesen Transformationsschritt einen Haken setzen. Für jeden vierten ist die Entwicklung digitaler Erlösquellen derzeit überhaupt kein Thema. Andere Veränderungsschritte haben deutlich Vorrang. Eine große Zahl der Unternehmen, 45 Prozent, beschäftigt derzeit der kulturelle Umbruch. Viele Firmen haben hart daran zu arbeiten, ein neues Denken bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu etablieren.

 

Banken und Versicherer geben sich selbstkritisch, die Industrie optimistisch

 

Finanzdienstleister sehen sich im Vergleich zum Durchschnitt aller untersuchten Branchen häufiger im Rückstand bei der Digitalisierung. 41 Prozent betrachten das eigene Unternehmen als Nachzügler, nur neun Prozent als Vorreiter. Dabei sind viele Finanzdienstleister in einzelnen Maßnahmen vielfach deutlich weiter als Unternehmen anderer Branchen. Drei Viertel der Banken und Versicherer bieten digitale Services an oder entwickeln diese, und sie haben häufiger als andere Branchen in weiten Teilen agiles Arbeiten etabliert. Fast jeder zweite Finanzdienstleister arbeitet an digitalen Geschäftsmodellen. „Das zeigt, dass Banken und Versicherer unter einem größeren Digitalisierungsdruck stehen als andere Branchen. Digitale Produkte und automatisierte Prozesse sind quasi Standard und keine Errungenschaften, mit denen sich Unternehmen abheben“, sagt Robert Bölke, verantwortlich für digitale Bankstrategien und Betriebsmodelle bei Sopra Steria Next. „Im Maschinenbau oder im Energiesektor sind Unternehmen, die eigene digitale Plattformen betreiben oder digitale Geschäftsmodelle entwickeln, dagegen häufiger Vorreiter ihrer Branche“, so Bölke.

 

Zum Vergleich: Bei Energieversorgern fallen deutsche Unternehmen nach eigener Einschätzung im internationalen Digitalisierungsvergleich weniger zurück. Dasselbe gilt für die öffentliche Verwaltung. 41 Prozent der Entscheider dieser beiden Branchen sehen sich ähnlich weit wie Unternehmen oder Behörden in anderen Ländern. Von einer breiten digitalen Transformation lässt sich allerdings nicht sprechen. In der verarbeitenden Industrie ist die Zahl der Optimisten am größten. Jeder zweite befragte Entscheider stuft das eigene Unternehmen zumindest als digital gleichwertig ein im Vergleich zum Wettbewerb. Jeder fünfte sieht sich als Digitalisierungsvorreiter.

 

Die Unterschiede in der Selbstwahrnehmung und Umsetzung der Digitalisierung haben auch strukturelle Gründe. Banken und Versicherungen sowie die öffentliche Verwaltung sind hier stärker auf externe Unterstützung angewiesen als beispielsweise der Maschinenbau oder der Energiesektor. Die Ursachen hierfür liegen zum Teil in der Belegschaft. In der Finanzwirtschaft arbeiten seit Jahrzehnten größtenteils Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit einem betriebswirtschaftlichen und juristischen Hintergrund. Gleiches gilt für die Verwaltung. In der Industrie hingegen finden sich naturgemäß viele Absolventen der MINT-Disziplinen. Dies ist kulturprägend für Unternehmen und Organisationen, inklusive der internen Karrierepfade.

 

Corona-Check: Ein Drittel sieht positive Digitalisierungseffekte

 

Der Ausbruch der Corona-Pandemie gilt als Katalysator für die Digitalisierung von Wirtschaft und öffentlicher Verwaltung. Einen echten Schub nehmen allerdings nicht alle Unternehmen wahr. 30 Prozent der befragten Entscheider sehen positive Effekte und bestätigen: Ja, wir haben in der Pandemie in die Digitalisierung unserer Geschäftsprozesse investiert und dadurch einen dauerhaften Digitalisierungsschub erfahren. In jedem zweiten Unternehmen hat die Pandemie nicht viel mehr bewirkt als die Zunahme von Videokonferenzen und Home-Office. Vier Prozent beklagen, dass sie durch die Krise im Digitalisierungsprozess zurückgeworfen wurden.

 

„Unter dem Strich nimmt die Mehrheit der Unternehmen aus der Krise die Erkenntnis mit, dass konkrete Veränderungen möglich sind. Viele werden die angestoßenen strukturellen Transformationsmaßnahmen weiterverfolgen. Eine Drosselung des Digitalisierungstempos auf das Niveau vor Corona wird kaum ein Unternehmen anstreben“, sagt Frédéric Munch von Sopra Steria Next. Autor: www.soprasteria.de

 

Jedes dritte Unternehmen in Deutschland arbeitet weitestgehend papierlos

 

(GFD 11/2020)  Die Unternehmen in Deutschland verzichten bei ihrer Büro- und Verwaltungsarbeit zunehmend auf Papier. So geben 6 Prozent der Geschäftsführer, Vorstände oder Geschäftsleiter an, dass die Geschäftsprozesse in ihren Unternehmen mittlerweile komplett ohne Papier auskommen. Weitere 30 Prozent arbeiten überwiegend papierlos, gestalten damit also rund 75 Prozent ihrer Büroprozesse digital. Das ist das Ergebnis einer Befragung unter 1.104 Unternehmen aller Branchen ab 20 Mitarbeitern in Deutschland, die im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt wurde. Die Studie ist repräsentativ für die Gesamtwirtschaft. Demnach spielt Papier aber in jedem vierten Unternehmen auch noch eine sehr große Rolle: 8 Prozent arbeiten komplett und weitere 18 Prozent weitestgehend, also zu drei Vierteln papierbasiert. Ein weiteres Drittel (36 Prozent) arbeitet nach eigenen Angaben zweigleisig, setzt also etwa zur Hälfte Papier und digitale Formate ein.

 

„Die deutsche Wirtschaft macht bei der Digitalisierung ihrer Geschäftsprozesse weiter Fortschritte. Das hat nicht nur ökonomische, sondern auch ökologische Vorteile: Dokumente können ortsunabhängig und schnell gefunden und bearbeitet werden, es werden keine meterlangen Regale oder Aktenschränke benötigt und schließlich schont der Verzicht auf Papier die Umwelt“, sagt Nils Britze, Bereichsleiter Digitale Geschäftsprozesse beim Bitkom. Große Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern sind beim Papierverzicht besonders weit: Hier sind die Büro- und Verwaltungsprozesse schon bei jedem zehnten Unternehmen komplett digital.

 

Öffentliche Verwaltung geht bei digitalen Akten voran

 

Vorreiter sind große Unternehmen auch, wenn es darum geht, bereits bestehende Papierakten zu digitalisieren: Zwei Drittel (66 Prozent) der Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern haben Papierakten weitestgehend (20 Prozent) oder teilweise (46 Prozent) in ein digitales Format überführt. Etwas anders sieht es in der Gesamtwirtschaft aus. Jedes achte Unternehmen (12 Prozent) hat Papierakten weitgehend digitalisiert, weitere 33 Prozent teilweise. Bei einem Branchenvergleich zeigt sich aber die Öffentliche Verwaltung als besonders fortschrittlich, die in der Studie ebenfalls – aber nicht repräsentativ – betrachtet wurde. Jede fünfte Behörde (20 Prozent) hat demnach ihre Akten weitestgehend digitalisiert, weitere 67 Prozent haben dies teilweise getan. Damit liegt die Öffentliche Verwaltung etwa vor Banken und Finanzdienstleistern (weitgehend digitalisiert: 22 Prozent, teilweise digitalisiert: 36 Prozent) oder der Automobilindustrie (weitgehend digitalisiert: 9  Prozent, teilweise digitalisiert: 40 Prozent). Das Schlusslicht bilden die Unternehmen aus dem Bereich Chemie, Pharma und Lebensmittelindustrie (weitgehend digitalisiert: 7  Prozent, teilweise digitalisiert: 25 Prozent).

 

Wie sieht der Status quo des digitalen Büros in deutschen Organisationen aus? Der Bitkom Digital Office Index 2020 ist jetzt verfügbar. Kostenloser Download www.bitkom.org/doi-2020.Hinweis zur Methodik: Grundlage der Angaben ist eine Umfrage, die Bitkom Research im Auftrag des Bitkom durchgeführt hat. Dabei wurden Geschäftsführer, Vorstandsmitglieder und IT-Leiter von 1.104 Unternehmen mit 20 und mehr Beschäftigten in Deutschland sowie die Leiter von 51 Organisationen der Öffentlichen Verwaltung im Mai und Juni 2020 telefonisch befragt. Die Umfrage ist repräsentativ für die Gesamtwirtschaft. Autor www.bitkom.org

 

COVID-19 befördert Cybersicherheit in die Chefetage

 

(GFD 11/2020) Cybersicherheit ist in der Chefetage angekommen: 50 Prozent von über 3.000 befragten Unternehmen weltweit geben an, Cybersicherheit und Datenschutz in jeder Geschäftsentscheidung zu berücksichtigen - eine Verdopplung zum Vorjahreswert (25 Prozent). Das ist ein Kernergebnis der aktuellen Studie "Digital Trust Insights 2021" der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC. Für die Studie hat das Unternehmen Führungskräfte aus Wirtschaft und Technologie weltweit zur Entwicklung von Cybersicherheit - auch unter Berücksichtigung der Corona-Pandemie - befragt.

 

Resilienz für jedes Szenario

 

Die Verankerung von Cybersicherheit in den Geschäftsprozessen ist dringender denn je. Denn die COVID-19-Pandemie hat die Digitalisierung weltweit beschleunigt und damit auch die Angriffsfläche für Cyberattacken erweitert. Das bestätigen auch die befragten Unternehmen (40 Prozent). Die größten Risikobereiche sehen die Befragten bei Anbietern von IoT- und Cloud-Diensten sowie Social Engineering. Mehr als 60 Prozent halten Angriffe hier zwar für sehr wahrscheinlich, aber nur weniger als die Hälfte erwartet negative Auswirkungen auf das eigene Unternehmen. Stattdessen stufen die Befragten Cyberattacken auf Cloud Services sowie Ransomware- und Disruptionware-Angriffe nicht nur als sehr wahrscheinliche Bedrohungsrisiken ein - mehr als die Hälfte erwartet auch erhebliche negative Auswirkungen. Um auf alle Risikoszenarien vorbereitet zu sein, planen 43 Prozent der Führungskräfte eine Erhöhung ihrer Stresstests, um sicherzustellen, dass ihre kritischen Unternehmensfunktionen im Falle eines störenden Cyber-Vorfalls weiterhin funktionieren. "Die Orchestrierung einzelner Funktionen für Geschäftskontinuität, Wiederherstellung nach einem Notfall und Krisenmanagement wird für die meisten Organisationen zum Schlüsselfaktor für eine höhere Resilienz", so Holger Herbert, Leiter Cyber Security & Privacy bei PwC Deutschland.

 

Cyberstrategie mit neuen Ansätzen

 

Die veränderte Risikolage durch die COVID-19-Pandemie hat die Cyberstrategien nahezu aller weltweit befragten Unternehmen beeinflusst (96 Prozent). Über 50 Prozent der Befragten geben an, dass sie begonnen haben, neue Ansätze zur Cybersicherheit zu implementieren und sogar jede fünfte Organisation erkennt bereits erste Vorteile. Die in Deutschland befragten Führungskräfte sehen besonders den Einsatz Künstlicher Intelligenz zur Cyberabwehr (25 Prozent) sowie die Orchestrierung und Automation von Cybersicherheit (20 Prozent) als vielversprechend an.

 

Mit mehr Budget und Kompetenzen zu digitalem Vertrauen

 

Angetrieben durch die COVID-19-Pandemie verändert die Digitalisierung weite Teile des Unternehmens. Für 38 Prozent der befragten Unternehmen in Deutschland ist dabei die Modernisierung der Organisation mit neuen Fähigkeiten das Hauptziel, gefolgt von der Effizienzsteigerung bestehender Prozesse (22 Prozent) und sogar auch der Veränderung des Kerngeschäfts und Neudefinition der Organisation (20 Prozent).

 

Dass diese Ziele nicht ohne ein hohes Maß an Cybersicherheit erreichbar sind, hat auch die Vorstandsetage erkannt: 59 Prozent der befragten CEOs in Deutschland geben an, dass sie häufiger mit dem Chief Information Security Officer (CISO) in Kontakt treten. Dem CISO wird daher auch eine erweiterte Rolle zuteil: Innovationsförderung, strategisches Denken und Risikobeurteilung zählen in diesen Zeiten zu den Top 3 der am meisten geschätzten Fähigkeiten der CISO.

 

Die steigende Bedeutung von Cybersicherheit zeigt sich zudem bei der Budget- und Ressourcenplanung. Mehr als die Hälfte der weltweit befragten Unternehmen wollen ihre Cyberbudgets erhöhen und ihre Mitarbeiterzahl im Bereich Cybersicherheit aufstocken - und das obwohl die prognostizierten Umsätze der Unternehmen auch für 2021 noch deutlich sinken (69 Prozent Deutschland/ 64 Prozent Global).

 

"Die Neuausrichtung der Cyberstrategie definiert nicht nur die wachsende Rolle der CISO, sondern wirkt sich auch auf die Art und Weise aus, wie die Organisation Cyberbudgets festlegt, in Sicherheitslösungen investiert, Pläne für die Ausfallsicherheit erstellt und ihre Sicherheitsorganisation verbessert. Sie bestimmt, ob die Geschäftsführung digitales Vertrauen schaffen kann, das ihre Organisationen mit Strategien zum Schutz und zur Wertschöpfung sicher in die Zukunft führt", kommentiert Holger Herbert.

 

Über die Befragung:

 

Die Global Digital Trust Insights 2021 ist eine Umfrage unter 3.249 Führungskräften aus den Bereichen Wirtschaft, Technologie und Sicherheit (CEOs, Corporate Directors, CFOs, CISOs, CIOs und C-Suite-Verantwortliche), die von Juli bis August 2020 zur Entwicklung und Zukunft von Cybersicherheit befragt wurden. 34 Prozent der befragten Unternehmen sind in Westeuropa ansässig, davon 25 Prozent in Deutschland, gefolgt von Nordamerika (29%), Asien-Pazifik (18%), Lateinamerika (8%), Osteuropa (4%), Naher Osten (3%) und Afrika (3%). Autor: www.pwc.com

 

Regelungen zur virtuellen Hauptversammlung sollen bis Ende 2021 verlängert werden

 

(GFD 09/2020) Das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz hat den Referentenentwurf einer Verordnung zur Verlängerung von Maßnahmen im Gesellschafts-, Genossenschafts-, Vereins- und Stiftungsrecht zur Bekämpfung der Auswirkungen der COVID-19-Pandemie an die Länder und Verbände versandt und den Entwurf auf seiner Homepage veröffentlicht. Der Entwurf ist noch nicht innerhalb der Bundesregierung abgestimmt. Die Länder und Verbände können bis zum 25. September 2020 zu dem Entwurf Stellung nehmen.

 

Die gesetzliche Regelung, mit der die Handlungs- und Beschlussfähigkeit von Aktiengesellschaften und vielen weiteren Rechtsformen während der Pandemie sichergestellt wird, ist am 28. März 2020 in Kraft getreten und bis zum Jahresende 2020 befristet. Damit können die betroffenen Rechtsformen, also etwa Aktiengesellschaften, GmbHs, Genossenschaften, Vereine und Wohnungseigentümergemeinschaften, auch bei weiterhin bestehenden Beschränkungen der Versammlungsmöglichkeiten erforderliche Beschlüsse fassen und bleiben so handlungsfähig. Virtuelle Hauptversammlungen von Aktiengesellschaften wurden damit erstmals möglich.

 

Nach wie vor bestehen aufgrund der COVID-19-Pandemie nicht unerhebliche Einschränkungen in vielen Bereichen des Privat- und Wirtschaftslebens, auch hinsichtlich der Versammlungsmöglichkeit von Personen, insbesondere von größeren Personengruppen. Weiterhin ist nicht absehbar, wann in Unternehmen verschiedener Rechtsformen oder Vereinen oder Stiftungen wieder Beschlüsse auf herkömmlichem Weg gefasst und Präsenzversammlungen im großen Kreis durchgeführt werden können. Damit Unternehmen betroffener Rechtsformen sowie Vereine und Stiftungen weiterhin die Möglichkeit haben, auch bei Fortbestehen der durch die COVID-19-Pandemie bedingten Einschränkungen Beschlussfassungen vorzunehmen, so dass ihre Handlungsfähigkeit gewährleistet bleibt, sollen die vorübergehenden Erleichterungen bis zum 31. Dezember 2021 verlängert werden. Autor: www.bmjv.de

 

SARS-CoV-2 Arbeitsschutzregel gibt Beschäftigten, Unternehmen und Aufsicht mehr Sicherheit

 

(GFD 08/2020) Mit hohem Schutzniveau in der Corona-Pandemie arbeiten

 

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) hat die neue SARS-CoV-2 Arbeitsschutzregel zur Veröffentlichung freigegeben. Sie wurde gemeinsam von den Arbeitsschutzausschüssen beim Bundesarbeitsministerium unter Koordination der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) erstellt. Die Regel stellt Maßnahmen für alle Bereiche des Wirtschaftslebens vor, mit denen das Infektionsrisiko für Beschäftigte gesenkt und auf niedrigem Niveau gehalten werden kann. Dabei bleiben Abstand, Hygiene und Masken die wichtigsten Instrumente. Betriebe, die die in der SARS-CoV-2-Regel vorgeschlagenen technischen, organisatorischen und personenbezogenen Schutzmaßnahmen umsetzen, können davon ausgehen, dass sie rechtssicher handeln. Zudem erhalten die Aufsichtsbehörden der Länder eine einheitliche Grundlage, um die Schutzmaßnahmen in den Betrieben zu beurteilen.

 

Zur Arbeitsschutzregel sagt Björn Böhning, Staatssekretär im BMAS: "Angesichts der immer noch großen Gefahr einer weiteren Ausbreitung der Corona-Infektionen verbessert diese Regel deutlich die Handlungssicherheit für Unternehmen im Arbeitsschutz. Sie ist verbindlich in das System des Arbeitsschutzes eingebunden und gilt bundesweit übergreifend. Es ist wichtig, dass Beschäftigte in Zeiten der Pandemie sicher arbeiten können und vor Infektionen bei der Arbeit geschützt werden."

 

"Um eine fundierte SARS-CoV-2 Regel zu entwickeln war es notwendig, die Expertise verschiedener Arbeitsschutzausschüsse und Fachexpertinnen und Fachexperten zu bündeln. Ich freue mich über das hohe Engagement aller Beteiligten und die gelungene Zusammenarbeit", sagt Isabel Rothe, Präsidentin der BAuA. "In vielen Betrieben werden aktuell bereits umfangreiche Maßnahmen zum Schutz der Beschäftigten umgesetzt. Die Arbeitsschutzregel kann dazu beitragen, dieses weiter zu verbessern, und schafft auf der Grundlage der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse die notwendige Klarheit und Sicherheit für alle betroffenen Gruppen".

 

Um den SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard des BMAS zu konkretisieren und auf eine verbindlichere rechtliche Ebene zu stellen, beauftragte der "Corona Arbeitsschutzstab" beim BMAS die BAuA und die staatlichen Arbeitsschutzausschüsse, eine entsprechende Regel zu erstellen. Unter der Koordination der BAuA erarbeiteten der Ausschuss für Biologische Arbeitsstoffe (ABAS), der Ausschuss für Arbeitsmedizin (AfAMed) und der Ausschuss für Arbeitsstätten (ASTA) einen Entwurf, der gemeinsam mit dem Ausschuss für Betriebssicherheit (ABS) und dem Ausschuss für Gefahrstoffe (AGS) abgestimmt wurde.

 

Auf Basis des aktuellen Stands der Technik, Hygiene und Arbeitsmedizin wurden in der SARS-CoV-2 Arbeitsschutzregel differenzierte Umsetzungsmaßnahmen für die Betriebe entwickelt. Dabei werden neben Arbeitgebern auch die Akteure des betrieblichen Arbeitsschutzes wie Sicherheitsfachkräfte und Arbeitsmediziner angesprochen und die Instrumente des Arbeitsschutzes, wie zum Beispiel die arbeitsmedizinische Vorsorge in Bezug genommen. Die Maßnahmen umfassen zentrale technische Aspekte des Infektionsschutzes wie Lüftung und Abtrennungen und organisatorische Maßnahmen wie die Gestaltung der Arbeits- und Pausenzeiten sowie die Arbeit im Homeoffice. Für Arbeitsbereiche, in denen technische und organisatorische Maßnahmen keinen hinreichenden Infektionsschutz bieten können, werden personenbezogene Maßnahmen formuliert, zum Beispiel die Nutzung von Mund-Nase-Bedeckungen. Neben der Fokussierung auf Maßnahmen der sicheren Gestaltung und Prävention umfasst die Regel auch Handlungsoptionen zum Umgang mit besonders schutzbedürftigen Beschäftigten.

 

Die SARS-CoV-2 Arbeitsschutzregel tritt zeitnah durch Veröffentlichung im Gemeinsamen Ministerialblatt in Kraft. Sie konkretisiert für den Zeitraum der epidemischen Lage von nationaler Tragweite gemäß § 5 Infektionsschutzgesetz die Anforderungen an den Arbeitsschutz. Gleichwertige oder strengere Regeln, zum Beispiel aus der Biostoffverordnung oder aus dem Bereich des Infektionsschutzes, müssen jedoch weiterhin beachtet werden. Die Empfehlungen der Berufsgenossenschaften zur SARS-CoV-2, die sich ebenfalls am Arbeitsschutzstandard des BMAS orientieren, werden zusätzlich für branchenspezifische Konkretisierungen empfohlen.

 

Die SARS-CoV-2 Arbeitsschutzregel kann im Internetangebot der BAuA unter www.baua.de/SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel abgerufen werden.

 

Die Arbeitsschutzausschüsse beim BMAS beraten das Ministerium in allen Fragen der Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten. Im Wesentlichen ermitteln die Arbeitsschutzausschüsse staatliche Regeln. Diese konkretisieren die Anforderungen und beschreiben mögliche Lösungen, um die rechtlich verbindlichen Vorgaben des Arbeitsschutzrechts in die Praxis umzusetzen. Den staatlichen Ausschüssen gehören Vertreterinnen und Vertreter der Arbeitgeber, Gewerkschaften, Länderbehörden, der gesetzlichen Unfallversicherung und der Wissenschaft sowie weitere Sachverständige an. Autor: www.baua.de/ausschuesse

 

E-Rechnung statt Papierberge: Was Unternehmen jetzt wissen müssen

 

(GFD 07/2020) Die öffentliche Verwaltung treibt den Abschied vom Papier voran: Ab dem 27. November 2020 wird die elektronische Rechnungsstellung und -übermittlung für alle Unternehmer, die im Auftrag des Bundes tätig werden, Pflicht. Länder und Kommunen müssen bereits seit April elektronische Rechnungen annehmen. Für viele Unternehmen ist diese Umstellung eine Herausforderung, immerhin erstellt derzeit noch ein Drittel Rechnungen überwiegend oder sogar ausschließlich in Papierform (33 Prozent). Der Digitalverband Bitkom hat jetzt eine neue Version des Faktenpapiers „10 Merksätze für elektronische Rechnungen“ veröffentlicht, das kleinen, mittleren und großen Betrieben bei der Umstellung auf die E-Rechnung hilft. Denn diese muss in einem bestimmten strukturierten Format erstellt werden und eine automatische Verarbeitung ermöglichen – es handelt sich also nicht um eine elektronisch versendete Rechnung, die etwa als PDF an eine Mail angehängt wird.

 

„Die E-Rechnung hilft, Papierberge in deutschen Unternehmen und in der Verwaltung abzubauen. Und sie macht die Unternehmen wettbewerbsfähig und zukunftsfest. Eine Rechnung auf Papier oder als PDF ist nicht mehr zeitgemäß“, sagt Nils Britze, Bereichsleiter Digitale Geschäftsprozesse beim Bitkom. „Die Vorteile der E-Rechnung liegen auf der Hand: Die Rechnungsstellung und -verarbeitung werden einfacher und schneller, die Unternehmen sparen Portokosten und Personalressourcen und schonen vor allem die Umwelt, weil weniger Papier verbraucht wird und Transportwege wegfallen.“ Die Einführung der E-Rechnung geht auf eine EU-Richtlinie zurück, die den grenzüberschreitenden Handel des europäischen Binnenmarktes stärken soll. Es ist zu erwarten, dass von der Regelung eine erhebliche Impulswirkung für die gesamte Wirtschaft ausgeht und künftig auch Unternehmen untereinander verstärkt auf die elektronische Rechnung setzen. Britze: „In Deutschland hat sich in den vergangenen zwei Jahren schon viel getan: Nutzten 2018 noch 19 Prozent der Unternehmen die E-Rechnung, sind es in diesem Jahr bereits 30 Prozent. Es ist wichtig, dass sich jetzt auch alle anderen Unternehmen mit diesem Thema auseinandersetzen.“ Autor: www.bitkom.org

 

Zahlungsmoral von Unternehmen bricht ein

 

Rechnungen werden immer später beglichen

 

(GFD 06/2020) Die Zahlungsmoral von Unternehmen ist angesichts der Corona-Pandemie stark gesunken. Dies zeigen Daten des Informationsdienstleisters CRIFBÜRGEL, der für die Analyse das Zahlungsverhalten von circa 450.000 Unternehmen analysiert hat.

 

Der durchschnittliche Zahlungsverzug steigt auf 34,4 Tage

 

Überfällige Rechnungen werden derzeit in Deutschland mit einem Verzug von rund 34,4 Tagen bezahlt (Stand 02.06.2020). Im Januar 2020 lag der durchschnittliche Zahlungsverzug noch bei 26,4 Tagen.

 

"Ab Mitte April hat sich das Zahlungsverhalten der Unternehmen dramatisch verschlechtert. Wir beobachten derzeit vermehrt ein liquiditätsschonendes Verhalten seitens der Firmen", kommentiert CRIFBÜRGEL Geschäftsführer Dr. Frank Schlein die aktuellen Zahlen.

 

Deutschlands Unternehmen gewähren ihren Gläubigern im Durchschnitt ein Zahlungsziel von 26 Tagen. Bei Nicht- oder Spätzahlern werden Rechnungen derzeit erst nach durchschnittlich 60 Tagen bezahlt. "Für die Unternehmen bedeutet das Verhalten, dass sie mehr als doppelt so lange auf ihr Geld warten müssen, als ursprünglich einkalkuliert. Damit werden sie unfreiwillig zum Kreditgeber ihrer Kunden", so Schlein.

 

Dieses Verhalten gehe oft zu Lasten der mittelständischen und kleingewerblichen Betriebe, denn Liquiditätsmangel, z.B. ausgelöst durch verspätet oder nicht bezahlte Rechnungen, gilt als eine der häufigsten Insolvenzursachen. Zudem bedeutet eine durch den Kunden oder Auftraggeber nicht oder zu spät gezahlte Rechnung höheren Verwaltungsaufwand und zusätzliche Kosten. Im schlimmsten Fall entwickelt sich ein Teufelskreis, da Unternehmen durch verspätet gezahlte Rechnungen länger als geplant auf eigene Investments verzichten müssen oder Bestellungen nicht bedienen können. Kleine Unternehmen können bei zögerlichem Zahlungsverhalten ihrer Kunden dadurch selbst in die wirtschaftliche Schieflage geraten. Bereits jetzt steht fest, dass angesichts der Corona-Krise nach 10 Jahren Rückgang bei den Firmeninsolvenzen 2020 wieder deutlich mehr Firmen in Deutschland in die Pleite rutschen werden. Unter der Voraussetzung, dass die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Wirtschaft genauso stark sind, wie in der Finanzkrise 2008, rechnet CRIFBÜRGEL in diesem Jahr mit über 29.000 Firmeninsolvenzen

 

Unternehmen in Rheinland-Pfalz mit dem stärksten Zahlungsverzug

 

Beim durchschnittlichen Zahlungsverzug zeigen sich zudem regionale Unterschiede. Am stärksten überziehen Unternehmen in Rheinland-Pfalz die Zahlungsziele - im Schnitt um 56 Tage. Auch in Bremen (durchschnittliche Verspätung 45 Tage) und in Hamburg (43 Tage) zahlen Unternehmen die Rechnungen mit einem starken Verzug. Am besten stellt sich die Situation im Saarland dar. Saarländische Unternehmen zahlen im Durchschnitt mit 25 Tagen Verspätung.

 

Bei den Kultur- Unterhaltungs- und Freizeitbranchen zeigt sich derzeit die schlechteste Zahlungsmoral. Wenn Rechnungen beglichen werden, werden diese derzeit mit 62 Tagen Verspätung bezahlt (Januar 2020: 32 Tage). Aber auch die Zahlungsmoral im Gastgewerbe ist stark eingebrochen. Wurden im Januar Rechnungen im Durchschnitt mit 33 Tagen Verspätung bezahlt, sind es aktuell 59 Tage. Besser sieht es bei den Energieversorgern aus. Während Rechnungen im Januar mit mit 27 Tagen Verspätung gezahlt wurden, sind es aktuell 29 Tage.

 

11,5 Prozent der Unternehmen zahlen Rechnungen nicht oder nur mit Verspätung

 

Unabhängig vom durchschnittlichen Zahlungsverzug zeigt die Analyse von CRIFBÜRGEL, dass in Deutschland derzeit mehr als jedes zehnte Unternehmen (11,5 Prozent) die Rechnungen nicht oder nur mit Verspätung bezahlt. In Berlin ist die Quote der Nicht- und Spätzahler mit 18,9 Prozent am höchsten. Auch in Bremen ist die Quote mit 18,2 Prozent höher als der Bundesdurchschnitt. Am besten ist die Zahlungsmoral derzeit in Thüringen - hier zahlen nur 8,2 Prozent der Unternehmen die Rechnungen nicht oder verspätet.

 

Aus der Analyse der Branchen wird deutlich, dass Unternehmen aus der Logistik aktuell vermehrt von Zahlungsproblemen betroffen sind. Derzeit zahlen 29,3 Prozent der Unternehmen die Rechnungen nicht oder nur verspätet. Aber auch im Gastgewerbe (24,9 Prozent Nicht bzw. Spätzahlerquote) ist die Zahlungsmoral eingebrochen. Autor: www.buergel.de

 

Aktienrecht: Bundesregierung ermöglicht virtuelle Hauptversammlungen

 

(GFD 04/2020) Angesichts der Corona-Krise will es die Bundesregierung börsennotierten Unternehmen erleichtern, ihre Hauptversammlungen mitsamt Beschlüssen virtuell abzuhalten. Das berichtet das Wirtschaftsmagazin 'Capital' (capital.de) unter Berufung auf einen Gesetzentwurf, den das Bundeskabinett  zusammen mit anderen Maßnahmen gegen die Covid-19-Pandemie beschließen will. So sollen etwa die Vorstände von Aktiengesellschaften auch ohne entsprechende Regelung in ihren Satzungen beschließen können, die Aktionärsversammlung rein virtuell abzuhalten. Darüber hinaus wird die Ladungsfrist für präsenzlose Hauptversammlungen von bislang 30 auf 21 Tage verkürzt. Der Entwurf für das Artikelgesetz liegt 'Capital' vor.

 

Die Corona-Krise und die bundesweiten Verbote, größere Versammlungen abzuhalten, fallen mitten in die Hauptversammlungssaison der Dax-Konzerne. Einige Konzerne wie Continental und Daimler und haben ihre Aktionärstreffen bereits auf unbestimmte Zeit verschoben. Dadurch wird die Handlungsfreiheit der Vorstände stark eingeschränkt. So können etwa weitreichende Entscheidungen wie die Abspaltung von Konzernteilen, die der Zustimmung der Anteilseigner bedürfen, nicht getroffen werden. Zudem erfordert auch die Festsetzung von Dividenden einen Beschluss der Hauptversammlung.

 

Mit den Änderungen beim Aktienrecht, das bisher eine strikte Präsenzpflicht auf Hauptversammlungen vorsieht, will die Bundesregierung die Voraussetzungen dafür schaffen, dass börsennotierte Gesellschaften trotz des aktuellen Lockdowns bei unternehmensstrategischen Fragen handlungsfähig bleiben. Insbesondere wird die Möglichkeit geschaffen, dass Abstimmungen ohne Präsenz der Aktionäre durchgeführt werden können. Laut Gesetzentwurf soll die Stimmrechtsausübung "über elektronische Kommunikation (Briefwahl oder elektronische Teilnahme) sowie Vollmachtserteilung" möglich sein. Auch Fragen der Aktionäre an Vorstand und Aufsichtsrat sollen über digitale Kanäle möglich sein. Die geplanten Änderungen gelten für Aktiengesellschaften, Kommanditgesellschaften auf Aktien und Europäische Gesellschaften (SE). Auch für Genossenschaften und Vereine sind Erleichterungen geplant.

Autor: www.capital.de

 

Führung in der Corona-Krise: was Unternehmenslenker jetzt wissen müssen

 

(GFD 04/2020) Was müssen Unternehmenslenker in der Corona-Krise tun? Wie die Betriebsabläufe jetzt organisieren, um wirtschaftlich zu überleben?

 

Diese Fragen beantworten international renommierte Professoren der IESE Business School kostenfrei per Livestream. "Unsere Professoren helfen Unternehmern, die Corona-Krise zu meistern", so Dr. Michael Winkler, Managing Director der IESE Business School München. IESE ist laut Financial-Times-Ranking seit Jahren weltweit die Nummer eins im Bereich Executive Education.

 

Die Vorträge sind über den LinkedIn-Kanal der IESE Business School öffentlich zugänglich und beschäftigen sich mit praktischen Aspekten der Krise wie Personal- und Betriebsmanagement. Auch die finanziellen, wirtschaftlichen und geopolitischen Auswirkungen des globalen Corona-Ausbruchs werden erläutert.

 

Die Teilnehmer der LinkedIn-Reihe können während der Live-Sitzungen Kommentare abgeben und Fragen stellen.

 

Zu finden sind die Vortragstermine unter https://www.linkedin.com/school/iese-business-school/ , samt Aufzeichnungen für alle, die die Live-Sitzungen nicht verfolgen können. Ratschläge für Finanzvorstände zu den finanziellen Auswirkungen von COVID-19 gibt Javier Santomá, Professor für Financial Management.

 

Wie man virtuelle Teams managt, darüber klärt Prof. Sebastian Reiche auf. Sein Forschungsgebiet: "Managing People in Organizations". Prof. Weiming Zhu gibt Auskunft zu Herausforderungen für Supply Chain and Operations. Viele weitere Vorträge werden folgen.

Autor: www.iese.edu

 

Cash-Transparenz ist wichtiger denn je - die Corona-Krise zwingt Unternehmen, ihre Krisenplanung neu zu denken

 

(GFD 04/2020) Die aktuelle Coronavirus-Situation hat bereits erhebliche Auswirkungen auf eine Reihe von führenden Unternehmen in Deutschland. Bislang scheinen die besonders betroffenen Vermögenswerte in den Bereichen Reisen und Freizeit, Veranstaltungen, Vertrieb und Logistik, dem Einzelhandel, in der Konsumgüterindustrie sowie in der verarbeitenden Industrie zu liegen. Es wird allerdings jetzt schon deutlich, dass sich die Auswirkungen der Krise nicht auf die genannten Bereiche beschränken werden. Europaweit werden Unternehmensleitungen und Finanzabteilungen stark unter Druck geraten.

 

Dazu kommentiert Bob Rajan, Managing Director, Co-Leader bei Alvarez & Marsal Deutschland, ausgewiesener Experte für Interimskrisenmanagement und erfahrener Interims-CFO:

 

"Krisen legen Schwachstellen schneller und deutlicher frei. Cash-Transparenz ist ein integraler Bestandteil, um in diesen Ausnahmesituationen als Unternehmen zu überleben. Leider sind viele Manager mit dem täglichen Krisenmanagement beschäftigt und haben ihre Liquidität völlig aus den Augen verloren. Cash-Transparenz ist aber der Schlüssel zum Überleben in Zeiten von Krisen."

 

Bei dieser Art von extremer Marktverwerfung stellen die Berater von A&M immer wieder fest, dass Unternehmen zu sehr mit der direkten Brandbekämpfung beschäftigt sind, anstatt sich Zeit für eine wöchentliche Cashflow-Prognose oder eine Analyse des Betriebskapitals zu nehmen.

 

Wichtig sind derzeit kurzfristige Maßnahmen, um die Liquidität in den folgenden Bereichen zu sichern:

 

1. Transparenz im kurzfristigen Cash- und Liquiditätsmanagement, einschließlich der Entwicklung oder Validierung eines 13-Wochen-Cashflow-Management-Tools und der Notfallplanung

 

2. Sicherung des Nettoumlaufvermögens und Verwaltung der Kreditversicherungen

 

3. Umsichtiges Ausgabenmanagement und kurzfristige Rentabilitätsverbesserung in Bereichen wie:

 

a. Werbung und Verkaufsförderung, um die Ausgaben in diesen Bereichen an die sich ändernden Marktbedingungen anzupassen

b. Neuausrichtung der Ausgaben für Marketing, Spesen und Technologie

c. Priorisierung und Aufschub von Investitionen in Großprojekte

d. Analyse der Unterbrechungen der Lieferkette, Bestandsverwaltung und Lieferantenrabatte

e. Optimierung der laufenden Bürokosten wie Mietverträge, Auslastung

f. Reduzierung oder Eliminierung aller Ermessensausgaben (Discretionary Spending)

 

Autor: http://AlvarezandMarsal.com

 

Checkliste: Was Firmen in Zeiten von Corona jetzt tun müssen

 

(GFD 04/2020) Der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU) und seine Experten aus dem BDU-Fachverband Sanierungs- und Insolvenzberatung haben eine Notfall-Checkliste für Firmen und Organisationen in der Corona-Krise erarbeitet.

 

Wichtig sei es, in den kommenden Wochen und Monaten planvoll zu handeln. Ein Grobkonzept könne dabei helfen, mögliche Entwicklungsverläufe - gegebenenfalls in Szenarien - abzubilden. Dabei sollten sowohl kurzfristige Sicherungsmaßnahmen als auch die mittelfristige Entwicklung beachtet werden. Im Kern geht es für Unternehmen und deren Geschäftsführer und Führungskräfte darum, besonders sechs Handlungsebenen in den Fokus zu rücken:

 

1.Liquidität: Prüfen Sie ihre finanzielle Situation vollständig und ehrlich. Streichen Sie alle nicht notwendigen Ausgaben und Investitionen. Verhandeln Sie mit Lieferanten über längere Zahlungsziele.

 

2.Kundenmanagement: Gehen Sie aktiv auf Ihre Kunden zu und suchen Sie gemeinsam mit ihnen nach bestmöglichen Lösungen in der Krisensituation. Dazu kann zum Beispiel gehören, Auftragsgrößen, Liefertermine und Konditionen nach zu verhandeln.

 

3.Lieferketten: Prüfen Sie Ihre Lieferketten und suchen Sie jetzt gezielt - beispielsweise Europa statt Asien - nach Alternativen. Schulen Sie Ihr Einkaufspersonal.

 

4.Kapazitäten: Analysieren Sie kritisch, ob und in welchem Umfang Sie Kapazitäten herunterfahren können. Überlegenswert: Schichten reduzieren oder 2-3-Tagewoche vorübergehend einführen.

 

5.Mitarbeiter: Passen Sie Ihre Personalplanungen an und finden Sie situationsgerechte Lösungen für den Mitarbeiter-Einsatz. Die Bandbreite ist groß und reicht von Homeoffice-Regelungen über die Nutzung von Arbeitszeitkonten bis zur Kurzarbeit.

 

6.Kredite: Organisieren Sie notwendigen Kredite, um den Unternehmensfortbestand zu sichern. Die Liquiditätshilfen des Bundes sollten schnell in Anspruch genommen werden. Und: Mit der Hausbank aktiv das Gespräch suchen und Factoring-Lösungen andenken.

Autor: www.bdu.de

 

Unternehmen mit starker Mitbestimmung sind rentabler und verfolgen häufiger eine Qualitäts- und Innovationsstrategie

 

(GFD 04/2020) Unternehmen, bei denen die Mitbestimmung durch Arbeitnehmer stärker verankert ist, verfolgen häufiger eine meist innovations- und forschungsorientierte Differenzierungsstrategie als Firmen mit schwacher oder ohne Mitbestimmung. Solche potenziell zukunftsträchtigeren Geschäftsmodelle sind zudem heute unter börsennotierten Unternehmen in Deutschland weiter verbreitet als noch vor gut einem Jahrzehnt, während der Anteil der Unternehmen, die lediglich auf möglichst niedrige Kosten setzen, zurückgegangen ist. Auch Firmen ohne dezidierte Strategie sind deutlich seltener als in den späten 2000er Jahren.

 

Über alle strategischen Ausrichtungen hinweg schneiden Unternehmen mit mehr Mitbestimmung bei wichtigen wirtschaftlichen Kennziffern meist überdurchschnittlich ab: Ihre Gesamtkapitalrentabilität ist im Durchschnitt um rund 65 Prozent höher als bei Unternehmen mit schwacher oder ganz ohne Mitbestimmung. Der operative Gewinn (Ebit-Marge) liegt bei stärker mitbestimmten Unternehmen im Mittel um knapp 11 Prozent höher, der Cashflow pro Aktie ist sogar mehr als dreimal so hoch wie in Firmen mit wenig Mitbestimmung. Zu diesen Ergebnissen kommt eine neue Studie von Forschern der Universität Duisburg-Essen um Univ.-Prof. Dr. Marc Eulerich, des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) um Sigurt Vitols, Ph.D. und des Instituts für Mitbestimmung und Unternehmensführung (I.M.U.) der Hans-Böckler-Stiftung mit Dr. Sebastian Campagna.

 

 „Mitbestimmung ist nicht nur ein Garant für Standort- und Beschäftigungssicherheit, sondern darüber hinaus auch ein Faktor für wirtschaftliche Stabilität und Prosperität“, schreiben die Forscher. Zusammenhänge, die gerade bei der Bewältigung der aktuellen Corona-Krise eine entscheidende Rolle spielen dürften. Wie eine bereits 2019 veröffentlichte Untersuchung zeigt, haben mitbestimmte Unternehmen schon die Finanz- und Wirtschaftskrise 2009 besser überstanden als Firmen ohne Mitbestimmung.

 

Das Team aus Ökonomen und Soziologen hat für die neue Untersuchung Daten von 172 Unternehmen ausgewertet, die zwischen 2006 und 2017 durchgehend im deutschen Börsenindex Composite DAX (CDAX) gelistet waren und deren Unternehmensstrategie sich für den gesamten Zeitraum identifizieren ließ, so dass insgesamt 2064 „Unternehmensjahre“ bis einschließlich 2017 in die Analyse einflossen.

 

Bei der Abgrenzung der Strategie orientierten sich die Wissenschaftler am Mainstream der betriebswirtschaftlichen Managementlehre: Danach können Unternehmen ganz grundsätzlich auf zwei Wegen versuchen, sich am Markt zu etablieren: Erstens über möglichst geringe Kosten ihrer Produkte (so genannte „Kostenführerschaft“). Zweitens über besondere Produktmerkmale oder Dienstleistungen, die ihren Kunden einen besonderen Nutzen verschaffen, etwa hohe Qualität oder besonders guter Service. Solch eine „Differenzierungsstrategie“ geht meist mit höheren Investitionen in Forschung und Entwicklung einher. Ist sie erfolgreich, können die Unternehmen höhere Preise für ihre Produkte erzielen.

 

Möglich sind auch Mischformen der beiden Strategien. Ob die Verankerung der Mitbestimmung in den untersuchten Unternehmen über- oder unterdurchschnittlich stark ist, bestimmten die Forscher über den am WZB entwickelten Mitbestimmungsindex (MB-ix). Er verzeichnet unter anderem für jedes Unternehmen, wie viele Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat und dessen Ausschüssen sitzen, wie stark die formellen Einflussmöglichkeiten des Kontrollorgans sind oder ob es einen europäischen Betriebsrat gibt. Als stark mitbestimmt werden in der Untersuchung Unternehmen bezeichnet, wenn sie im Vergleich zur Gesamtgruppe eine überdurchschnittlich stark verankerte Mitbestimmung haben und als schwach mitbestimmt, wenn sie unterdurchschnittlich ist.

 

Häufiger Qualitäts- statt Kostenstrategie

 

Die Analyse der Forscher zeigt deutliche Zusammenhänge zwischen Stärke der Mitbestimmung und Unternehmensstrategie. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Unternehmen auf Kostenführerschaft setzt, liegt in Unternehmen ohne Mitbestimmung bei 27 Prozent, während es bei starker Mitsprache der Arbeitnehmer nur 10 Prozent sind. Dagegen wählen stark mitbestimmte Unternehmen doppelt so häufig eine dezidierte Differenzierungsstrategie (25 Prozent gegenüber 12 Prozent). Zudem verfolgen sie etwas häufiger eine Mischstrategie. Dass keine dominante Strategie vorliegt, kommt bei Unternehmen ohne Mitbestimmung etwas häufiger vor.

 

„Es liegt auf der Hand, dass Arbeitnehmervertreterinnen und -vertreter Diversifizierungsstrategien favorisieren und diese durch ihre Einflussmöglichkeiten über die Mitbestimmung unterstützen“, schreiben die Wissenschaftler. „Denn im Gegensatz zur Kostenführerstrategie wird bei den Differenzierern auf hohe Technologieintensität gesetzt, auf Innovationen, was aber nur mit gut ausgebildeten und damit in der Regel höher entlohnten Beschäftigten erreicht werden kann.“ Insbesondere in Zeiten von Digitalisierung und demografischem Wandel verspreche diese Orientierung tendenziell mehr Zukunftschancen, betonen Management-Professor Eulerich und seine Forscherkollegen.

 

Darauf weise auch die zahlenmäßige Entwicklung der Strategietypen im untersuchten Zeitraum hin: Zwischen 2006 und 2017 nahm die Zahl der „Differenzierer“ zu: von 16 auf 26 Prozent aller Unternehmen im Sample. Größer wurde auch der Anteil der Firmen mit Mischstrategie (Zunahme von knapp 24 auf 33 Prozent). Dagegen waren 2017 deutlich weniger Unternehmen auf reine Kostenführerschaft aus als 11 Jahre zuvor (Rückgang von knapp 24 auf 15 Prozent) oder verfolgten keine dominante Strategie (36 auf knapp 26 Prozent).

 

Stark mitbestimmte Unternehmen zeigen bessere wirtschaftliche Performance

 

Anhand von drei wichtigen betriebswirtschaftlichen Größen messen die Forscher den wirtschaftlichen Unternehmenserfolg: der Gesamtkapitalrentabilität (Return on Assets, ROA), der EBIT-Marge und dem Cashflow pro Aktie. Unternehmen mit mehr Mitbestimmung schneiden fast immer besser ab.

 

Im Durchschnitt aller 172 untersuchten Unternehmen beträgt der ROA in Unternehmen mit starker Mitbestimmung 4,58 Prozent, während es bei schwach mitbestimmten 2,76 Prozent sind. Die Differenz zwischen beiden Gruppen beträgt also rund 65 Prozent. Noch größer ist der Vorsprung beim Cashflow: Bei starker Mitbestimmung liegt er im Durchschnitt bei 4,95 Euro pro Aktie – das ist gut dreimal so hoch wie in Unternehmen mit schwacher Mitbestimmung (1,39 Euro). Als EBIT-Marge ermitteln die Forscher im Durchschnitt der stark mitbestimmten Firmen 7,77 Prozent. Bei geringer Mitbestimmung sind es 7,01 Prozent (Unterschied: 11 Prozent).

 

Differenziert man zusätzlich nach Strategietypen, sind die Abstände bei Unternehmen mit Differenzierungsstrategie am größten: Hier schneiden die stärker mitbestimmten Unternehmen in allen drei betriebswirtschaftlichen Größen statistisch signifikant besser ab, der Vorsprung beim ROA beträgt sogar fast neun Prozentpunkte.

 

Bei Firmen mit Kostenführer-Strategie und in der Gruppe ohne dominante Strategie ist der Cashflow pro Aktie mit starker Mitbestimmung signifikant höher, bei den beiden anderen Größen ergibt sich kein statistisch signifikanter Unterschied. Auch bei Unternehmen, die eine Mischstrategie verfolgen, fällt der Cashflow deutlich stärker aus (5,55 Euro pro Aktie gegenüber 2,04 Euro bei schwacher Mitbestimmung). Bei der EBIT-Marge ergibt sich kein signifikanter Unterschied. Einzig beim ROA der „Mischstrategen” zeigt sich ein Ausreißer aus dem allgemeinen Trend der Ergebnisse: Während er bei den stark mitbestimmten Unternehmen 5,24 Prozent beträgt, sind es bei schwach mitbestimmten 7,19 Prozent.

 

Die Mitbestimmung der Beschäftigten kann „eine wesentliche Bedingung für gute Corporate Governance“ sein, schlussfolgern die Wissenschaftler aus ihren Ergebnissen. „Das Ringen um adäquate Unternehmensstrategien ist mit Mitbestimmung wirtschaftlich erfolgversprechend. Daher gehören Diskussionen über strategische Themen, die Antworten auf die großen Herausforderungen der heutigen Zeit geben sollen, in den mitbestimmten Aufsichtsrat.”

 

Die Ergebnisse der neuen Studie bestätigen und ergänzen Befunde anderer aktueller Untersuchungen: Eine Studie des Jacques Delors Centre der Hertie-School of Governance hat kürzlich ergeben, dass im Aufsichtsrat paritätisch mitbestimmte Unternehmen deutlich stärker investieren. Und in der Wirtschaftskrise 2008/2009 sowie in den Jahren danach schnitten mitbestimmte Unternehmen wirtschaftlich signifikant besser ab, wie Ökonomen der Universitäten Göttingen und Marburg im vergangenen Jahr herausgearbeitet haben.

Autor: Hans-Böckler-Stiftung, www.boeckler.de

 

Die Krise finanziell und emotional meistern

 

(GFD 04/2020) Die Corona-Krise bringt viele Unternehmen nicht nur in eine finanzielle Schieflage. Der Steuerberater Karsten Freyer, Inhaber der Steuerberatung Karsten Freyer, Freinsheim (Pfalz), hat 10 Tipps für Unternehmer veröffentlicht, wie sie ihre Liquidität und Zuversicht bewahren.

 

Die aktuelle Krise bringt viele Unternehmen in eine finanzielle Schieflage, die nicht selten ihre Existenz gefährdet. Deshalb hat der Steuerberater Karsten Freyer, Freinsheim (Pfalz) nicht nur auf seiner Webseite 10 Tipps für Unternehmer und Selbstständige veröffentlich, wie sie eine solche Entwicklung vermeiden.

 

Der Steuerberater weist zunächst darauf hin, dass in der momentanen Krise nicht nur fast alle Unternehmer sehr flexibel auf die jeweils aktuelle Situation reagieren müssen – auch die Politik. Deshalb ändern sich fast täglich die in Steuer- und Finanzangelegenheiten geltenden Rahmenbedingungen.

 

Ungeachtet dessen kann man laut Freyer Unternehmern und Selbstständigen wie Freiberuflern zahlreiche Tipps geben, was sie tun sollten, um die Krise nicht nur finanziell zu meistern. Sein erster Rat lautet: „Bewahren Sie einen kühlen Kopf. Erstellen Sie nach der ersten Panikreaktion einen Finanzplan für die nächsten sechs Monate, der Ihren Kapitalbedarf in diesem Zeitraum erfasst. Stellen Sie dem Bedarf Ihre sicheren Einnahmen gegenüber. Doch Vorsicht! Planen Sie ‚konservativ‘. Berücksichtigen Sie mögliche Zahlungsausfälle, denn Ihr vorrangiges Ziel muss kurz- und mittelfristig sein: die Liquidität Ihres Unternehmens sichern.“ Der Steuerberater rät den Unternehmern zudem, ihre Fixkosten gezielt zu senken, um ihre Liquidität zu sichern und ihren finanziellen Handlungsspielraum zu erweitern, denn: „In globalen Krisen wie der aktuellen müssen Sie mit Unverhofftem rechnen.“

 

Eine Möglichkeit hierzu ist das Aussetzen aller Dauerschuldverhältnisse wie Leasingverträge, Kredittilgungen, Mietzahlungen usw.. Zudem sollten Betroffene ihre Steuervorauszahlungen an das Finanzamt auf null setzen und ihre Steuerschulden, wie zum Beispiel ihre Umsatzsteuerschulden, aussetzen lassen. Besonders wichtig ist Freyer der Rat an Unternehmer, dass sie wenn trotz dieser Maßnahmen ein Liquiditätsengpass droht, möglichst früh das Gespräch mit ihren Kapitalgebern wie Banken suchen. Diesen sollten sie ohne Scheu offen ihre Situation schildern, denn: „Wenn ein Unternehmen jetzt in eine finanzielle Schieflage gerät, liegt dies meist nicht an Managementfehlern.“ Solche Gespräche sollten Unternehmer „als vertrauensbildende Maßnahme“ auch mit ihren strategisch wichtigen Lieferanten führen – zum Beispiel mit dem Ziel, ein Verlängern der Zahlungsfrist zu erreichen. Abschließend empfiehlt Freyer nicht nur seinen Mandanten: „Bewahren Sie sich trotz Krise Ihre Zuversicht. Auch dies zeichnet einen guten Unternehmer aus.“

Autor: www.steuerberatung-freyer.de

 

CFO Survey Frühjahr 2020: Finanzvorstände erwarten keine schnelle konjunkturelle Erholung

 

(GFD 04/2020) Vor dem Hintergrund der weltweiten Corona-Krise beleuchtet Deloitte in seinem neuen CFO Survey u.a. die Auswirkungen der Pandemie auf die deutsche Wirtschaft: Innerhalb kürzester Zeit haben sich die wirtschaftliche Lage wie auch die Geschäftsaussichten angesichts der krisenbedingten Einschränkungen in Deutschland und der Welt fundamental geändert. Die Aussichten sind entsprechend düster.

 

"Dass eine Rezession unvermeidlich ist, daran besteht kein Zweifel", konstatiert Dr. Alexander Börsch, Chefökonom bei Deloitte. "Entscheidend wird sein, wie lange und wie tief diese Rezession gehen wird. Angesichts des heftigen Absturzes bei den Geschäftsaussichten zeigen sich aber bereits jetzt sehr starke Effekte in der Wirtschaft, die vor allem die Investitionsplanung betreffen. Angesichts dessen überrascht es kaum, dass die befragten CFOs eher nicht mit einem schnellen Ende der Krise rechnen."

 

COVID-19 betrifft einen großen Teil der Wirtschaft in Deutschland. Wie die deutschen Unternehmen mit dieser Situation umgehen und was sie erwarten, zeigt sich im aktuellen Deloitte CFO Survey: Für dessen Frühjahrsausgabe 2020 wurden zwischen dem 10. März und dem 1. April die Finanzvorstände deutscher Großunternehmen über die aktuelle Haltung und weitere Entwicklung befragt - beginnend mit dem Zeitpunkt, an dem die Weltgesundheitsorganisation WHO den Ausbruch von COVID-19 zur Pandemie erklärte.

 

CFOs wollen weniger investieren

 

Die Corona-Krise hinterlässt bereits tiefe Spuren: So fielen die Geschäftsaussichten deutscher Unternehmen auf ein Rekordtief seit 2012, als der erste CFO Survey erhoben wurde. Drei Viertel der befragten Finanzvorstände zeigen sich deutlich pessimistischer als noch vor drei Monaten, während gerade mal ein Fünftel der CFOs die Geschäftsaussichten ihres Unternehmens unverändert einschätzen. Der Trend zu einer Verschlechterung der Geschäftsaussichten, der sich schon 2018 bemerkbar machte, hat sich also massiv beschleunigt.

 

Der Einbruch bei den Geschäftsaussichten betrifft die Investitionspläne und die Einstellungsbereitschaft der deutschen Unternehmen gleichermaßen: So planen 63 Prozent der CFOs einen leichten oder starken Rückgang ihrer eigenen Investitionen, etwa die Hälfte erwartet über die kommenden 12 Monate einen Rückgang der Beschäftigtenzahl. Diese Werte standen nur während der Eurokrise 2012 noch niedriger.

 

Unternehmen setzen vor allem auf Sicherheit

 

Auch das gefühlte Unsicherheitsniveau erreicht nahezu die Werte der Eurokrise: 78 Prozent der befragten CFOs stufen die Unsicherheit im ökonomischen Umfeld als "hoch" oder "sehr hoch" ein; dies kommt dem Spitzenwert von 80 Prozent in der Eurokrise 2012 sehr nahe. Entsprechend hat die Krise die unternehmerischen Prioritäten geändert: Standen im vergangenen Herbst die strategische Bedeutung der Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen sowie die Expansion in neue Märkte oben auf der Agenda, so haben nun wichtige Punkte wie Kostensenkungen und Verschuldungsabbau deutlich zugelegt. Insgesamt ist durchweg ein Zurückfahren von offensiven Geschäftsstrategien zugunsten von defensiven zu beobachten.

 

COVID-19 sortiert die Risikobewertung in Unternehmen neu

 

Die Risikofaktoren haben sich aus CFO-Sicht ebenfalls drastisch gegenüber der letzten Befragung geändert. Den stärksten Anstieg verzeichnet die Untersuchung bei einer möglichen Instabilität des Finanzsystems (von 21 auf 49 %). Insgesamt wurden die Themen Fachkräftemangel (59 %) und geopolitische Risiken (60%), die bislang die Risikowahrnehmung dominierten, von der Furcht vor einer sich abschwächenden Inlandsnachfrage (77 %) überholt.

 

Unter den geopolitischen Risiken, immer noch der zweitwichtigste Risikofaktor, fürchten CFOs in der aktuellen Lage die Unterbrechungen der Wertschöpfungskette durch Epidemien am meisten (76 %); der Handelskonflikt zwischen den USA und China (40 %) und zwischen den USA und der EU (32 %) sowie ein harter Brexit (27 %) sind dagegen zumindest vorübergehend deutlich in den Hintergrund getreten.

 

Großteil deutscher Unternehmen befürchtet Umsatz- und Ertragsrückgang

 

Während nur 17 Prozent der Unternehmen keine Auswirkungen befürchten, erwarten 42 Prozent auf Sicht von sechs Monaten einen Rückgang ihrer Erträge um mehr als ein Zehntel; 87 Prozent haben Geschäftsreisen und ihre generellen Ausgaben reduziert, 72 Prozent neue oder alternative Arbeitsregelungen getroffen. Bei knapp ein Fünftel der Befragten wurden langfristige Investitionen zurückgestellt, nur acht Prozent arbeiten schon an neuen Kreditfazilitäten.

 

Bei den Umsatzerwartungen wird die realwirtschaftliche Tragweite der gegenwärtigen Entwicklungen deutlich: Lag selbst während der Eurokrise der Index der Umsatzerwartungen im Plusbereich, so befürchten aktuell 63 Prozent der Unternehmen einen Rückgang in den kommenden 12 Monaten; jeweils 18 Prozent hingegen gehen von keiner Veränderung oder sogar von einem leichten Anstieg aus.

 

CFOs hoffen auf Besserung in 2021

 

Die Auswirkungen von COVID-19 schätzen die CFOs eher pessimistisch ein, ein V-förmiger Aufschwung, wie er in vielen Konjunkturprognosen erwartet wird, ist nicht die Mehrheitsmeinung. 60 Prozent planen mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung bis ins zweite Halbjahr hinein und sehen ab 2021 eine Konjunkturerholung. Ein Fünftel glaubt an einen nur kurzfristigen konjunkturellen Einbruch, dem im zweiten Halbjahr eine Gegenbewegung folgt. 10 Prozent rechnen mit einem Worst-Case-Szenario und einem langfristigen Einbruch der Wirtschaftsleistung.

 

"Der aktuelle CFO Survey spricht eine deutliche Sprache", sagt Rolf Epstein, Partner bei Deloitte und verantwortlich für das CFO Program: "Demnach stellen sich deutsche Unternehmen wohl überwiegend auf eine Konjunkturentwicklung ein, die weniger einem V-Szenario entspricht - also einem Einbruch mit direkt anschließender rascher Erholung - als vielmehr einem U-Szenario, in dem es nach einer Phase der Stagnation mit Zeitverzögerung wieder aufwärtsgeht. Bis dahin steht Kostenmanagement ganz oben auf der CFO-Agenda."

Autor: www.deloitte.com/de

 

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